Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e. V. - DMVS e. V.

Crossener Mitteilungen Nr. 4, Oktober 1995

Home > Archiv Crossener Mitteilungen > Crossener Mitteilungen Nr. 4, Oktober 1995

DMVO e. V.

 

Liebe Mitglieder der DMVO e. V.!

 

Die diesjährige Jahrestagung der DMVO e. V. und der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen fand am 29. u. 30.9.1995 im Musiktherapeutischen Zentrum Niederpöllnitz/OT Wetzdorf statt. Am Vormittag des 1. 10. 1995 folgte dann die Jahresversammlung der DMVO e. V..

 

Bericht zur Tagung

 

Bei früheren Tagungen ging er zumeist um ausgewählte Themen, die durch Vorträge fundiert und durch Workshops demonstriert wurden. Diesmal lag dagegen der Schwerpunkt auf der kollegialen Begegnung, auf Möglichkeiten des Austausches über den musiktherapeutischen Alltag bis hin zum gemeinsamen Musizieren. Dieser Austausch wurde von den Teilnehmern sehr angeregt geführt, seine Fortsetzung gewünscht.

Begegnung und Austausch erfolgten in 3 Arbeitsgruppen:

 

  1. Fragen zur Aus und Weiterbildung,
  2. Integration von Musiktherapie in unterschiedliche Behandlungssysteme und
  3. Die Crossener Ausbildung und die Praxis.

 

In der Arbeitsgruppe 1 standen besonders die Angebote der Universität Gesamthochschule Siegen und entsprechende Zusammenarbeit im Mittelpunkt, worüber noch gesondert informiert werden soll. Ferner ging es um Möglichkeiten der Supervision als unverzichtbaren Ausbildungsbestandteil.

 

Die Arbeitsgruppe 3 nannte die Crossener Ausbildung ein "gut anwendbares Grundgerüst". ErgänzungenzumbestehendenAusbildungsprogrammwurde entsprechend den Anforderungen der Praxis der Wunsch nach Gesprächstraining, Rollenspiel und der Förderung diagnostischen Denkens geäußert.

 

Den meisten Zuspruch fand die Arbeitsgruppe 2. Die Diskussionsrunde verlief in sehr offener und anregender Atmosphäre. Die angesprochenen Problemkreise waren vielgestaltig und reichten von Schulsituationen, Problemen vieler Lehrer und Umgang mit Kindern über die Rolle des Musiktherapeuten in psychiatrischen Kliniken, die Zusammenhänge zwischen dem therapeutischen Sinn und den einzusetzenden Mitteln bis zu menschlichen Beziehungen innerhalb der Geriatrie.

 

Diskussionsschwerpunkte regen zu weiterem Suchen und Nachdenken an.

 

 

Außer Arbeitsgruppentätigkeit brachte die Tagung auch Informationen, u.a.:

 

 

Bereits in einem Rundbrief an die Mitglieder der DMVO e. V. vom Dezember 1994 wurde über das Vorhaben des 8. Weltkongresses für Musiktherapie informiert. Christoph Schwabe, Axel Reinhardt und Ingrid Mederacke waren als Vertreter der DMVO e. V. in das Nationalkomitee zur Vorbereitung des Kongresses gewählt worden. Sie sind damit auch Ansprechpartner für alle unsere Mitglieder. Der Kongress, vom 14. - 20. Juli 1996, bietet auch der ostdeutschen Musiktherapie die Chance, sich innerhalb vielfältiger Interessenauseinandersetzungen der Schulen und Personen zu präsentieren. Er findet statt vor dem Hintergrund berufspolitischer Auseinandersetzungen um die Zukunft der Musiktherapie in Deutschland. So sollte er möglichst unser Interesse finden und von vielen DMVO Mitgliedern besucht werden. Bisher vorgesehene thematische Richtungen in welchen die DMVO vertreten sein wird sind:

 

 

In Zusammenhang mit dem Weltkongreß und Deutschland als Gastgeberland ist sicher auch die vorgesehene Gründung eines Musiktherapie - Dachverbandes zu sehen, der die einschlägigen Berufsverbände und Organisationen der Bundesrepublik vereinigen soll. Auch die DMVO e. V. wird hier vertreten sein, wobei noch viele Unklarheiten bestehen, schon hinsichtlich eines elementaren Grundverständnisses von Musiktherapie, Herangehensweisen an künftige Zusammenarbeit und gemeinsame Berufsstandssicherung. Gerade hier fehlt es noch weitgehend an einheitlichen Qualifikationskriterien für Musiktherapeuten, an Charakterisierungen der Arbeitsfelder und genauen Tätigkeitsmerkmalen - alles Hindernisse bei tariflicher Einordnung. Z. Zt. besteht eine "bewußte Gesetzeslücke" infolge o.g. Uneinheitlichkeiten zwischen den Musiktherapieverbänden, so daß zur tariflichen Einstufung jeweils Hilfskriterien herangezogen werden müssen, z.B. andere vergleichbare Ausbildungen und Abschlüsse.

 

Während der Wetzdorfer Tagung wurden auch Tendenzen der Ausbildungsgestaltung verdeutlicht:

 

  1. Neben Aktiver Gruppenmusiktherapie und Regulativer Musiktherapie bildet besonders die Musiktherapie in der Sozial - und Behindertenarbeit einen sich zunehmend entwickelnden Schwerpunkt. Nach einem einheitlichen Basiskurs für alle Teilnehmer ist die Spezialisierung in eine der folgenden genannten Richtungen möglich: - Musiktherapie in der Sonderpädagogik/Behindertenarbeit - Musiktherapie in der Sozial - und Behindertenarbeit und - Sozialmusikalische Gruppenarbeit.
  2. Die Zusammenarbeit der DMVO e. V. mit der Universität Gesamthochschule Siegen schafft interessante Möglichkeiten, indem Absolventen der Akademie der o.g. Fachrichtung "Musiktherapie in der Sozial- und Behindertenarbeit" nach dem Besuch einer Zusatzausbildung einen staatlichen Abschluß der Universität Siegen erwerben können, - ebenso das Zertifikat für die Regulative Musiktherapie als gemeinsamer Abschluß Crossen/Siegen vergeben wird, - Einzelkurse der Universität Siegen auch für DMVO - Mitglieder offen sind und andererseits - zunehmend Studenten der Universität Siegen auch die Crossener Ausbildung nutzen und u.a. die Berufsbezeichnung "Musiktherapeut der DMVO e. V." erwerben können.

 

Bericht zur Mitgliederversammlung

 

Währen der Jahresversammlung der DMVO - Mitglieder wurde dann über Vereinsinternes informiert und die Wahl eines neuen Vorstandes sowie des Rates für Aus - und Weiterbildung vorgenommen. So berichtete der Schatzmeister über kontinuierlich steigende Mitgliederzahen sowie über den Verbleib der Beitragsmittel bei der Finanzierung spezieller Projekte. Kritische Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden Axel Reinhardt sind Anlaß, auf die Bedeutung der regelmäßigen Kommunikation zwischen Vorstand und Basis hinzuweisen, auf die Förderung von Arbeitsgruppentätigkeit und wissenschaftlichen Aktivitäten.

 

Der am 1. 10. 1995 neu gewählte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

 

Prof. Dr. habil. Helmuth Rudloff, Erfurt
Thomas Wosch, Brandenburg
Axel Reinhardt. Langebrück
Dr. Wulfhard von Grüner, Angermünde
Petra Jürgens, Berlin und
Götz Hütter, Radebeul.

 

Ehrenvorsitzende der DMVO e. V. wurde Frau Dr. Magdalene Kemlein, Dresden.

 

Während seiner 1. Sitzung beschloß der Vorstand folgende Funktionsverteilung:

 

Vorsitzender: Dr. Wulfhard von Grüner
Schatzmeister - Götz Hütter
Sekretär -. Thomas Wosch

 

Dem gleichfalls gewählten Rat für Aus- und Weiterbildung gehören folgende Mitglieder an:

 

Doz. Dr. habil. Christoph Schwabe, Vollmershain - Vorsitzender des Rates und damit gleichzeitig
Vorstandsmitglied
Ingrid Mederacke, Leipzig
Chefarzt Dr. Helmut Röhrborn, Erlabrunn
Sabine Leidel, Weimar
Birgit Thiem, Hoyerswerda und
Ulrike Haase, Dresden

 

Dr. Magdalena Kemlein - Ehrenvorsitzende der Deutschen Musiktherapeutischen Vereinigung Ost e. V.

 

Die Jahresversammlung der DMVO e. V. wählte am 1. 10 1995 Frau Dr. paed. Magdalene Kemlein zur Ehrenvorsitzenden der DMVO e. V. . Frau Dr Kemlein ist seit 1958 musiktherapeutisch tätig. Nach einem Schulmusikstudium an der Franz Liszt - Hochschule in Weimar war sie Aspirantin an der Martin - Luther - Universität Halle und an der Humboldt Universität Berlin. Selbst von Kind auf an singendes und spielendes Improvisieren gewöhnt, erarbeitete sie in ihrer Dissertation eine musikpsychologisch und -pädagogisch fundierte Systematik der Entwicklung des Improvisationsvermögens. Nach der Promotion arbeitete sie als Oberassistentin in Weimar. Noch heute betont sie die damaligen Weimarer Bemühungen um die "Techniken des Offenen Singens", die lebendige Anwendung Onffscher Arbeitsprinzipien und seines Instrumentariums und die Ergänzung der Rhythmischen Erziehung durch gesellige Tanzformen.

 

Infolge politischer Eingriffe wurde diese vielversprechende Weimarer Tätigkeit schon 1958 beendet. Es folgte eine bis heute ununterbrochene Arbeit an der Musikschule Bautzen und an der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik Dresden - Weißer Hirsch . Frau Kemlein wurde bereits durch ihr Elternhaus angeregt (Vater war Arzt, jedes Familienmitglied sang und musizierte), therapeutische Einflußmöglichkeiten der Musik und des Musizierens zu beobachten.

 

1958 erhielt sie die Möglichkeit der therapeutischen Mitarbeit und des gemeinsamen Aufbaus einer Aktiven Gruppenmusiktherapie durch OMR Dr. H. Born, Internist und Psychotherapeut, bis 1980 Chefarzt des Krankenhauses Dresden - Weißer Hirsch.

 

Inzwischen kann sie auf fast eine 4 Jahrzehnte währende Praxis zurückblicken, in deren Zentrum Atmung, Stimme und Körperbewegung mit ihren vielfältigen wechselseitigen Einflußnahmen und psychotherapeutischen Wirkmöglichkeiten musikalisch genutzt werden. Der enge Kontakt zwischen Gesprächs - und Musiktherapeut, die genaue Beobachtung der Patienten und die möglichst umfassende musikalische Ausbildung der Musiktherapeuten dies sind von ihr vertretene Positionen.

So kann die DMVO e. V. wesentliche Impulse erwarten.

 

W v. Grüner

 

Beschlüsse des Vorstandes der DMVO e. V. - Vorstandssitzung vom 13.10.1995

 

Beschluß 01/95

Der Vorstand beschließt entsprechend § 4, §c) der Satzung den Ausschluß folgender Mitglieder
Silke Friedmann
Sandra Rieck
Jürgen Karthe
Ute Röhrig
Anett Möller
Eva - Maria Kopp
Gisela Schulze
Yvonne Schult
Ursula Süß
Annerose Graf
Hella Voitel
Thomas Richter
Anke Weber
Heidegrid Sprung

 

Beschluß 02/95, Wissenschaftliche Arbeit

Vom Vorstand werden in dieser Legislaturperiode folgende wissenschaftlichen Projekte favorisiert:

 

  1. Untersuchungen zur Verlaufsdiagnostik Aktive Gruppenmusiktherapie
  2. Erarbeitung einer Buchpublikation "Sozialmusiktherapie"

 

Verantwortlich: Dr. Christoph Schwabe, Thomas Wosch

 

Beschluß 03/95, Lehre

Die Lehrtätigkeit an der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen wird in Zusammenarbeit mit dem Rat für Aus - und Weiterbildung der DMVO e. V. auf der Grundlage der bestätigten Lehrkonzeptionen fortgeführt.

Verantwortlich: Dr. Christoph Schwabe, Prof. Dr. Rudloff

 

Beschluß 04/95, Öffentlichkeitsarbeit

Die Information der Mitglieder der DMVO e. V. und der interessierten Öffentlichkeit erfolgt durch die "Crossener Mitteilungen". Diese erscheinen jeweils im Januar, Juni und Oktober. Redaktionsschluß ist der 10. des Vormonats.

Verantwortlich:
Redaktion: Dr. Wulfhard von Grüner
Technische Abwicklung: Götz Hütter

 

Arbeitsgruppentätigkeit

 

Der Vorstand beabsichtigt, die Tätigkeit von Arbeitsgruppen innerhalb der DMVO e. V. zu fördern und die Bildung neuer Arbeitsgruppen anzuregen. Dies können sowohl regionale als auch themenbezogene Gruppen sein, die sich mit Fragen der praktischen musiktherapeutischen Arbeit beschäftigen. Die folgenden, aber auch weitere Schwerpunkte mögen dabei von Interesse sein:

 

 

Die Beteiligten der nachstehend genannten Arbeitsgruppen würden weitere Interessenten gerne begrüßen:

 

  1. Regionale Arbeitsgruppe "Mecklenburg - Vorpommern" über Frau Ulrike Gauer, Uferweg 30, 23996 Bad Kleinem, Tel: 038423 - 306
  2. Regionale Arbeitsgruppe "Berlin - Brandenburg" über Frau Marianne Roch, Evangel. Krankenhaus "Königin Elisabeth" Herzberge, Herzbergstr. 79, 10365 Berlin, Tel.: 03054723805
  3. Themenbezogene Arbeitsgruppe "Erwachsenenpsychiatrie" über Axel Reinhardt, Nicodestr. 1, 01465 Langebrück, Tel.-. 035201 - 70805 und Thomas Wosch, Am Falkplatz 3, 10437 Berlin, Tel.: 0304480091
  4. Themenbezogene Arbeitsgruppe "Musiktherapie in der Suchtbehandlung" über Dr. Frank Mund, Weinbergstr. 3, 04179 Leipzig, Tel. - 0341 - 4411067 und Dr. Wulfhard von Grüner, Zingster Str. 18, 13051 Berlin, Tel.: 030 - 9225586, Erstes Treffen der AG am 20.01.1996, 12.00 Uhr, im Sächsischen Krankenhaus Altscherbitz, Leipziger Str. 59, 04435 Schkeuditz
  5. Arbeitsgruppe "Verlaufsdiagnostik Aktive Gruppenmusiktherapie" Unsere Mitglieder Frank Pietzcker, Frank Mund und Wulfhard von Grüner legten ein Arbeitsmaterial zu einer Verlaufsdiagnostik für die Aktive Gruppenmusiktherapie vor, das zunächst bis zum Jahresende 1995 durch eine Reihe von Mitgliedern erprobt wird und dann kritisch überarbeitet werden soll. Wer möchte sich an der Erprobung des Materials noch beteiligen ? Angebote an W. v. Grüner!

 

Die genannten Arbeitsgruppen sollten in den nächsten Crossener Mitteilungen, die im Januar 1996 erscheinen werden, aus ihrer Arbeit berichten, neue Gruppen können benannt werden. Die Materialien bitte an W. v. Grüner; Redaktionsschluß ist der 10. Dezember 1995. Dies gilt auch für weitere Informationen und Berichte.

Für Interessenten besteht sie Möglichkeit, die aktuelle Mitgliederliste beim Schatzmeister Götz Hütter anzufordern.

 

Wulfhard von Grüner - Vorstandsvorsitzender -