Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e. V. - DMVS e. V.

Crossener Mitteilungen Nr. 5, Januar 1996

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DMVO e. V.

 

Liebe Mitglieder der DMVO e. V.!

 

Der Vorstand unserer Organisation wünscht allen Mitgliedern viel Freude und Erfolg für 1996 im persönlichen wie im beruflichen Leben.

 

Wulfhard von Grüner

 

Rückschau - von Axel Reinhardt

Der Jahreswechsel ist uns zunächst Anlaß für eine Rückschau: Das Jahr 1995 war für die Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung Ost e. V. ein sehr arbeitsreiches und erfolgreiches Jahr. In den letzten "Crossener Mitteilungen" haben wir Sie schon über die vielfältigen Aktivitäten der Gremien der DMVO e. V. auf den verschiedenen Arbeitsfeldern informiert. Besonderes Augenmerk galt der weiteren Belebung der Aktivitäten unserer Mitglieder untereinander sowie der Verbesserung des Informationsflusses zwischen dem Vorstand und den Mitgliedern. Nach kritischer Rechenschaft des bisherigen Vorstandes hat der neu gewählte Vorstand hier bereits wichtige Impulse gesetzt. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die vom Vorstand favorisierten Projekte zur Verlaufsdiagnostik Aktive Gruppenmusiktherapie, die Erarbeitung einer Publikation "Sozialmusiktherapie", sowie an die Arbeitsgruppen, die Ihnen in den "Crossener Mitteilungen Nr. 4 " bereits bekannt gemacht wurden. Die Arbeit der DMVO e. V. in den vergangenen Monaten war darüber hinaus geprägt durch vielfältige Aktivitäten auf nationaler Ebene. Beispielhaft genannt seien hier die Kooperationsbeziehungen zur Universität Siegen, die Kontakte zu den musiktherapeutischen Berufsverbänden Deutschlands sowie die Mitarbeit im Nationalen Komitee zur Vorbereitung des 8. Weltkongresses für Musiktherapie in diesem Jahr in Hamburg. Angefeuert durch diesen ins Haus stehenden Weltkongress brachte das Jahr 1995 für die Entwicklung der Musiktherapie in Deutschland insgesamt wichtige Impulse.

 

Der 1994 begonnene Dialog der musiktherapeutischen Vereinigungen unseres Landes im Rahmen der "Kasseler Konferenzen" wurde fortgesetzt. Trotz aller damit verbundenen Höhen, Tiefen und Unwegbarkeiten gibt diese Entwicklung zu verhaltener Hoffnung Anlaß, daß die Jahre der Spaltung und Zersplitterung überwunden werden können. Die Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung Ost e. V. ist in diesem Prozeß zu einem wichtigen Faktor geworden. Wir können auf die 1995 geleistete Arbeit mit Recht stolz sein. Das erreichte sollte uns Mut und Zuversicht geben für die Herausforderungen im neuen Jahr. Ich wünsche uns allen Mut zu Aktivität und Verantwortung, jeder an seinem Platz und in seinen Möglichkeiten.

 

Axel Reinhardt

 

Berichte über Aktivitäten von Mitgliedern der DMVO

 

"Unser Praktikum brachte neue Erfahrungen" - von Ingrid Mederacke

Im Oktober 1993 bezog die Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen das ehemalige Lehrlingswohnheim in Niederpöllnitz, Ortsteil Wetzdorf. Gleichzeitig begann dort die erste zweijährige Ausbildung für Sozialmusiktherapie und Sonderpädagogik in der Behindertenarbeit. Die Ausbildung fand in 12 Wochenkursen statt. Das war nur möglich, weil die meisten TeilnehmerInnen von ihrer Einrichtung delegiert wurden. Die 20 Gruppenmitglieder kamen aus Behinderteneinrichtungen, Förderzentren, Heimen und Beratungsstellen in Thüringen und Sachsen.

 

Das Ausbildungsprogramm umfaßte Selbsterfahrungstraining, Didaktik in der Behindertenarbeit und Leitertraining zu den verschiedenen Verfahren der Musiktherapie. Hinzu kamen noch spezielle Fachvorträge wie z. B. Musiktherapie bei Senioren, Blinden, Sprachbehinderten und Patienten mit Epilepsie. Erstmalig führten wir an 6 Tagen (2 mal 3 Tage) ein musiktherapeutisches Praktikum in der Frühfördereinrichtung und in der Behindertenwerkstatt des Behindertenverbandes in Gera durch.

 

Obwohl dieses Praktikum für die Lehrgangsteilnehmerinnen nicht einfach und auch kurz war, brachte es neue Erfahrungen und Erkenntnisse für alle Beteiligten. So schrieben die LehrgangsteilnehmerInnen in ihrer abschließenden Projektarbeit: "Unser Praktikum brachte neue Erfahrungen im Umgang mit behinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Wir erhielten Anregungen in den Hospitationsstunden und gewannen Selbsterfahrung durch eigenes Ausprobieren. Wir hoffen sehr, daß Musiktherapie im medizinischen, gesellschaftlichen und politischen Bereich den Stellenwert erhält, der ihr zusteht."

 

Ingrid Mederacke

 

Aus der Arbeit des Landesverbandes " Berlin - Brandenburg " von Marianne Roch

Unsere Arbeitsgruppe wurde im November 1990 gegründet. Sie trifft sich etwa alle 6 Wochen, zumeist im Evangelischen Krankenhaus "Königin Elisabeth" Herzberge (Herzbergstr. 79, 10365 Berlin, Tel.: 030 - 54723805) . Der Teilnehmerkreis reicht von langjährig tätigen Kollegen über Berufseinsteiger bis zu Hospitanten und Praktikanten, wobei ein "harter Kern" aus Kollegen des o.g. Krankenhauses besteht.

 

Die inhaltliche Gestaltung der Treffen wird von allen Teilnehmern entsprechend ihren Bedürfnissen getragen. Sie umfaßt

 

 

Gelegentlich sind wir auch musikalisch aktiv, indem wir singen, neue Instrumente improvisierend ausprobieren oder z.B. afrikanische Lieder und Tänze erlernen. Als förderlich für unsere Gemeinschaft wirkt sich sicher auch das gemeinsame Essen aus, das stets von demselben AG - Mitglied liebevoll vorbereitet wird. Allen Arbeitsgruppen Spaß und Energie bei der nicht immer leichten Basisarbeit.

 

Marianne Roch

 

Bericht zum ersten Treffen der Arbeitsgruppe "Erwachsenenpsychiatrie" - von Thomas Wosch

Am 11. 11. 1995 trafen sich erstmalig Mitglieder unserer Vereinigung zur neu gebildeten Arbeitsgruppe "Erwachsenenpsychiatrie" in der Landesklinik Brandenburg. Dieses Treffen fand in einer sehr angeregten und intensiv arbeitenden Atmosphäre statt, so daß die fünf Stunden unseres themenbezogenen Zusammenseins wie im Fluge vergingen. Themen des Treffens waren:

 

  1. Vereinbarungen zur weiteren Tätigkeit und Organisation der Arbeitsgruppe
  2. Austausch erster Erfahrungen mit der Verlaufsdiagnostik Aktive Gruppenmusiktherapie (VDA) im erwachsenenpsychiatrischen Bereich (vgl. Crossener Mitteilungen Nr. 4 - S. 7)
  3. Schizophrenie - Grundlagen und Erfahrungen mit der Aktiven Gruppenmusiktherapie
  4. Austausch von Erfahrungen mit Einzeltherapie im erwachsenenpsychiatrischen Bereich

 

Die Arbeitsgruppe will sich künftig vierteljährlich samstags an der jeweiligen Arbeits- bzw. Heimstätte eines ihrer Mitglieder treffen. Alle zu behandelnden Themen stehen in Zusammenhang mit dem musiktherapeutischen Arbeitsfeld in der Erwachsenenpsychiatrie.

Zu Punkt 2 dieses Treffens wurde eine Modifizierung des VDA für den Bereich der Erwachsenenpsychiatrie vorgeschlagen und diskutiert. Aus Punkt 4 ergab sich ein neues Thema für das nächste Treffen. Weitere Informationen zu diesem Treffen sind zu erfragen bei: Thomas Wosch, Am Falkplatz 3, 10437 Berlin, T.030-4480091. Das nächste Treffen findet am 10.2.1996 um 12.00 Uhr im Musiktherapieraurn Haus G der Landesklinik Teupitz statt. Weitere Informationen sind zu erfragen bei: Sigrid Kintscher, Edisonstr. 47, 12459 Berlin, T.033766-66174 oder 030- 6550795.

 

Themen für das nächste Treffen sind:

 

  1. Eine Einzelfalldarstellung - RMT bei neurotischer Depression
  2. Weitere Erfahrungen mit der VDA und ihre Modifizierung
  3. Fragen zu Austausch und Dokumentation ( wie dokumentiere ich meine Arbeit für mich und in welchen Formen wird sie im Krankenblatt dokumentiert)

 

Interessierte aus dem Arbeitsfeld der Erwachsenenpsychiatrie sind herzlich eingeladen.

Teilnahmebestätigungen zum Treffen werden von der DMVO e. V. ausgestellt.

 

Thomas Wosch

 

DMVO - Aktivitäten in der deutschen Musiktherapie - Szene - von Helmuth Rudloff

 

München

Am Freitag, den 17.11.1995 wurde in München im Freien Musikzentrum ein neues musiktherapeutisches Gremium gegründet:

 

SAMT - Ständige Ausbildungsleiter - Konferenz Musiktherapie

Anwesend waren:

Dr. Isabelle Frohne - Hagemann, Leitung der Ausbildung Integrative Musiktherapie am Fritz Perls Institut für Integrative Therapie, Gestalttherapie und Kreativitätsförderung , Hückeswagen

Fritz Hegi , Leitung der Berufsbegleitenden Ausbildung Musiktherapie, Zürich

Dr. Monika Nöcker Ribaupierre und Dr. Tonius Timmermann, Leitung der Berufsbegleitenden Ausbildung Musiktherapie, Freies Musikzentrum München und

Doz. Dr.phil.habil. Christoph Schwabe und Prof. Dr. phil.habil. Helmuth Rudloff, Leitung der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen, Wetzdorf.

 

Die Teilnehmer erarbeiteten folgenden Konsens:

  1. Musiktherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, in dem das Medium Musik durch verschiedene methodische Ansätze wirksam wird. Der Begriff Psychotherapie umfaßt nach unserem Verständnis gleichberechtigt tiefenpsychologische, verhaltenstherapeutisch/lerntheoretische, systemische und ganzheitlich humanistische Ansätze. Musiktherapie wird im klinischen, präventiven und rehabilitativen Bereich eingesetzt. Der gemeinsame Nenner ist das kreative Medium Musik in seinen unterschiedlichen Erscheinungs-, Kombinations- und Übergangsformen ( Sprache, Bewegung, Bild ... ).
  2. Jeder der hier vertretenen Ausbildungsgänge hat sein eigenes Profil. Ziel der Zusammenarbeit ist die Erarbeitung eines Konsenses über Mindestanforderungen an die Ausbildungsinhalte

    a) für Ausbildungskandidatinnen und

    b) für LehrmusiktherapeutInnen.

 

Das nächste Treffen der SAMT fand am 19.01.1996 in Wetzdorf statt. Über die weitere Entwicklung wird informiert.

 

Musiktherapie - Ausbildung in Bayern

Im Oktober 1995 erfolgte an der Landesmusikakademie Marktoberdorf eine Arbeitstagung des Bayerischen Musikrates zu Fragen der Musiktherapie Ausbildung in Bayern, die unter anderem das Einsetzen einer Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung der Curricula beschloß. Die DMVO e. V. , vertreten durch Helmuth Rudloff, Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen, ist Mitglied dieser Arbeitsgruppe, deren erste Tagung am 08.11.1995 in München stattfand. Neben notwendigen organisatorischen Fragen stand vor allem die der Klärung von Begrifflichkeiten ( Psychotherapie, Tiefenpsychologie, Beschreibung des Berufsbildes Musiktherapie, Medizinische Arbeitsfelder der Musiktherapie, Musiktherapeutische Selbsterfahrung u.a. ) auf der Tagesordnung. Die Diskussion zur Konsens - Findung ist noch nicht abgeschlossen. Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe werden bei Vorliegen mitgeteilt.

 

Kasseler Konferenz der musiktherapeutischen Vereinigungen

 

Am 10. und 11. November 1995 fand in Kassel das dritte Treffen der musiktherapeutischen Vereinigungen statt, an dem die DMVO e. V. durch Axel Reinhardt und Helmuth Rudloff vertreten war. An diesem Treffen nahm die Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie e. V. nicht teil. Ursache dessen war ein gemeinsames Schreiben des Deutschen Berufsverbandes der Musiktherapeuten e. V. und des Berufsverbandes der klinischen Musiktherapeuten e. V. mit der Einladung an nur einen Teil der Teilnehmer der Konferenz musiktherapeutischer Vereinigungen ( ohne DGMT e. V. und den Vertreter der Ausbildungsleiter ), um in Anschluß über die Gründung eines "Dachberufsverbandes" nachzudenken. Der Vorstand der DMVO e. V. hatte bereits am 13.10. 1995 den Beschluß gefaßt, an einer separaten Beratung nicht teilzunehmen. Nach Beratung der anwesenden VerbandsvertreterInnen und im Nachgang erfolgter Konsultationen mit dem Vorstand der DGMT e. V. wurde dann vereinbart, die gemeinsamen Beratungen am 30.01.1996 wieder aufzunehmen.

 

Helmuth Rudloff

 

Kurznotizen

 

Der Landesverband Berlin - Brandenburg bietet für den Spätherbst 1996 eine Wochenendveranstaltung für interessierte Mitarbeiter aus dem Kinder- und Jugendpsychiatrisch - psychotherapeutischen Bereich an. Die inhaltliche Gestaltung ist abhängig von den Interessen der KollegInnen. Deshalb Wünsche und Angebote an: Marianne Roch, Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth" Herzberge, Herzbergstr.79, 10365 Berlin, Tel.: 030 - 54723805

 

Am 2. November 1995 übergaben Helmut Röhrborn und Christoph Schwabe das fertige Buchmanuskript "Regulative Musiktherapie nach Schwabe - Entwicklung, Stand und Perspektive in einer Psychotherapeutischen Medizin" dem Cheflektor des Gustav Fischer Verlages Jena zum Druck. Das fertige Buch soll im Frühjahr zur Auslieferung kommen. Damit wird eine über Jahrzehnte andauernde musiktherapeutische Zusammenarbeit mit dem Gustav Fischer Verlag Jena fortgesetzt, die im Jahre 1969 mit der Buchveröffentlichung Schwabe: "Musiktherapie bei Neurosen und funktionellen Störungen" begann.

 

Vom Cheflektor des Gustav Fischer Verlages, Herrn Rolle, wurde ein Projekt über Ausbildung in Regulativer Musiktherapie angeregt. Wer sich als Mitautor an diesem Projekt beteiligen will, melde sich bitte bei Christoph Schwabe.

 

In Zusammenarbeit mit einer Ausbildungsgruppe "Sozialmusiktherapie" hat sich am 13.10.1995 in der Alten Schmiede zu Vollmershain unter Leitung von Christoph Schwabe eine Projektgruppe gebildet, die gemeinsam an einem Buchmanuskript zum gleichen Thema arbeiten will. Erste Themenabsprachen und personelle Verantwortlichkeiten sowie übergreifende Orientierungen zur Arbeitsform wurden verabschiedet.

 

Christoph Schwabe und Ulrike Haase wurden vom Präsidenten des Musiktherapie Weltkongresses für den Juli 1996 zu einem Orgelkonzert im Hamburger "Michel" eingeladen Bachs "Kunst der Fuge" 4 - händig und 4 - füßig. Aus gleichem Anlaß wurde Christoph Schwabe zu einer Bilderausstellung mit eigenen Werken unter der Thematik "Turm Beziehungen" gebeten.

 

Im Gegensatz zu Auskünften durch Buchhandlungen soll darauf verwiesen werden, daß das Buch Schwabe: Aktive Gruppenmusiktherapie für erwachsene Patienten 2. Aufl. Georg Thieme Leipzig / Stuttgart 1991 nicht vergriffen ist und käuflich erworben werden kann. Der Verlag bedauert den schleppenden Absatz. Gleiches trifft zu auf die Broschüre Schwabe: Regulatives Musiktraining 2.Aufl. Beide Titel können als Sammelbestellung auch über die Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen bestellt werden. Weiterhin ist noch vorrätig die 2. und 3. Lieferung des Materials Schwabe/Rudloff "Die musikalische Elementarerziehung" Diese können ebenfalls über die Akademie bestellt werden.

 

Der 8. Weltkongress für Musiktherapie sollte von möglichst vielen DMVO-Mitgliedern besucht werden. Er findet vom 14. - 20. Juli 1996 in Hamburg statt. Die Kongressgebühren betragen 950,- DM; für Mitglieder der DGMT, DBVMT, BKM 780,-DM; fürStudenten 475,-DM. Für alle Kollegen aus den Länderndes ehemaligen Ostblocks gilt der Satz für Studierende, also auch für fast alle DMVO-Mitglieder. Das Kongressprogramm wird derzeit gedruckt, und soll Anfang März erscheinen. Es enthält alle wichtigen Informationen, einschließlich der Anmeldung zum Kongress. Das Programm kann bestellt werden bei: CCH - Congress Organisation, Frau Seeland ; Jungiusstr.13; 20355 Hamburg oder telefonisch unter 040 - 35692244.