Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e. V. - DMVS e. V.

Crossener Mitteilungen Nr. 6, Juni 1996

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DMVO e. V.

 

Aus dem Leben der DMVO e. V.

Bericht zur Vorstandssitzung der DMVO e. V. am 09.03.1996

 

Am 09.03.1996 traf sich im Musiktherapeutischen Zentrum Wetz:dorf der Vorstand der DMVO e. V. zu seiner ersten Sitzung in diesem Jahr. Anwesend waren alle Vorstandsmitglieder (vgl. dazu Crossener Mitteilungen Nr.4). Folgende Beschlüsse wurden gefaßt:

 

Beschluß 1/96:

Die Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen führt anstelle der Bezeichnung Akademie in der DMVO e. V. die Bezeichnung Akademie der DMVO e. V. Damit trifft zu: In Realisierung der in § 2.3 Punkt a) der Satzung der DMVO e. V. festgeschriebenen Aufgaben ist die Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen Bestandteil der DMVO e. V.

 

Beschluß 2/96:

1996 findet keine Mitgliederversammlung statt. Entsprechend der Satzung wird ein zweijähriger Turnus für die Mitgliederversammlungen angestrebt. Im nächsten Jahr soll diese mit einer Fachtagung verbunden werden:

 

DMVO - WOHER UND WOHIN

(Konzeptionelle Entwicklungen-, Aktuelle Entwicklungslinien; Wohin geht der Weg der DMVO?)

Vorträge und Arbeitsgruppen werden in den Räumlichkeiten des Musiktherapeutischen Zentrums Wetzdorf sowie in der Kirche Wetzdorf angeboten. Die vorgesehenen Termine sind der 27./28.9.1997 oder der 11./12.10.1997 Verantwortlich für die Organisation ist Helmuth Rudloff.

 

Außerdem wurden folgende Festlegungen getroffen:

 

Im Anschluß an die Vorstandssitzung fand eine Beratung über die Erprobung der Verlaufsdiagnostik Aktive Gruppenmusiktherapie (VDA) statt (vgl. dazu Crossener Mitteilungen Nr.4 ). Anwesend waren alle Vorstandsmitglieder sowie Dr. Frank Mund von der AG Verlaufsdiagnostik AMT. Während dieser Zusammenkunft wurde ein veränderter Stundenbogen diskutiert, der die Ergebnisse der Ersterprobung berücksichtigt. Nach einer nochmaligen Überarbeitung erfolgen genauere Mitteilungen.

 

Dr. W.v. Grüner, Thomas Wosch

 

AG "Musiktherapie in der Suchtbehandlung"

 

Am 20.01.96 bildete sich eine neue Arbeitsgruppe: "Musiktherapie in der Suchtbehandlung" Ihre Ziele bestehen im Austausch zu suchtspezifischen Fragen und musiktherapeutischen Möglichkeiten in diesem Arbeitsfeld. Die Gruppe wird sich dreimal im Jahr an unterschiedlichen Orten treffen. Arbeitsgruppenleiter ist Dr. Frank Mund ( Weinbergstraße 3, 04179 Leipzig, Tel.: 0177 - 2543043 priv. bzw. 034204 - 87185 dientl.) . Das nächste Treffen findet am 21. Sept. 96 in Uchtspringe statt, Beginn 11.00 Uhr, Vorbereitung Frau Benzel. Das Hauptthema dieser Veranstaltung lautet "Musiktherapie in der Entgiftungsphase bzw. der Beginn der Musiktherapie und erste Beobachtungen. " Ein weiteres Treffen ist für den 16. Nov. in der Nähe von Schwerin vorgesehen (Klinik Schweriner See, Lübstorf, Vorbereitung Frau Kotitschke).

 

Wulfhard von Grüner

 

Bericht zum zweiten Treffen der Arbeitsgruppe "Erwachsenenpsychiatrie"

 

Am 10.2.1996 trafen sich Mitglieder unserer Arbeitsgruppe Erwachsenenpsychiatrie zu ihrem zweiten Treffen in der Landesklinik Teupitz. Der Austausch zu konkreten Themen erfolgte in gewachsener Teilnehmerzahl wiederum sehr angeregt und konnte ganz spezielle neue Impulse für die eigene Arbeit geben. Die Themen unseres Treffens waren:

 

  1. Bericht zum Kongreß "Konzepte psychiatrischer Psychotherapie im klinischen Alltag" vom 26./27.1. 1996 in Berlin,
  2. Vorstellung einer Einzelfalldarstellung (Kasuistik): RMT in der Dyade bei schwerer neurotischer Depression
  3. Dokumentation der musiktherapeutischen Arbeit im Krankenblatt und neue Erfahrungen zur Verlaufsdiagnostik Aktive Gruppenmusiktherapie (VDA).

 

Zu Punkt 1 wurden insbesondere kritische Anmerkungen zum Vortrag der Hamburger Dozentin für Musiktherapie Susanne Metzner und ihres musiktherapeutischen Vorgehens sowie Informationen zur milieutherapeutischen Arbeit mit Schizophrenen des auf diesem Kongreß ebenfalls zu erlebenden Schweizer Psychiaters Luc Ciompi gegeben.

 

Zu Punkt 2 berichtete unsere Gastgeberin Sigrid Kintscher aus ihrer eigenen Arbeit. Über Gesprächsangebote war der Zugang zu einem Patienten aufgrund sehr starker Abwehr nicht möglich gewesen. Der ganz konkrete Aufgabencharakter der RMT, die Gerichtetheit auf die Musik und das "Hier und Jetzt" sowie die Gestaltung der Patient - Therapeut - Beziehung auf der Grundlage eines Austausches bei enger Zusammenarbeit mit dem behandelndem Team konnten den therapeutischen Prozeß erfolgreich in Bewegung setzen.

Unter Punkt 3 wurde angeregt, die VDA neben dem Verlaufsbericht des Therapeuten als Spiegelung des Patienten in die Dokumentation der Krankenakte aufzunehmen. Außerdem kann die VDA (und der EBS) unter Modifizierung der Fragen zur Gruppe zu solchen der Beziehung zum Therapeuten auch für die Dyade verwendet werden. Materialien hierzu und weitere Informationen sind zu erfragen bei- T. Wosch, Am Falkplatz 3, 10437 Berlin . Als inhaltliche Schwerpunkte für das nächste Treffen wurde bereits das Thema Dyade sowie das Anfertigen von Behandlungskonzeptionen vereinbart.

 

Thomas Wosch

 

DMVO - Aktivitäten in der deutschen und internationalen Musiktherapie - Szene

 

Kasseler Konferenz - 19.03.1996

Am 19. März 1996 fand die 5. Tagungsrunde der Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen Deutschlands in Kassel statt. Auf der Tagesordnung standen folgende Problemkreise 1. Diskussion von Thesen zur 5. Kasseler Konferenz, welche die Aufgabenstellung der Kasseler Konferenz zum Inhalt hatte und 2. ein im Hinblick auf Konsensfähigkeit zu beratendes Grundlagenpapier zur Musiktherapie als Wissenschaftsdisziplin. Die Beratung hierzu, die in außerordentlich sachlicher, aufgeschlossener und konstruktiver Weise stattfand und die in den behandelten Themenkreisen zu einem Konsens führte, wird im Juni 1996 fortgesetzt. Die Kasseler Konferenz wird auf dem Weltkongreß in Hamburg vertreten sein.

 

Helmuth Rudloff, Axel Reinhardt

 

SAMT - 15.03.1996

Am 15. März 1996 traf sich die Ständige Ausbildungsleiter - Konferenz Musiktherapie (SAMT) zu ihrer dritten Zusammenkunft in Zürich. Anwesend waren Dr. 1. Frohne - Hagemann, Hückeswagen ; F. Hegi und M. Rütisüli, Zürich ; Dr. M. Nöcker - Ribaupierre, München - M. Bissegger, Berlin und Thomas Wosch. Wurden auf dem zweiten Treffen der SAMT am 19. 01.1996 in Wetzdorf die Musiktherapiekonzeptionen der vertretenen Schulen in mündlichen Beiträgen vorgestellt, stand im Mittelpunkt des dritten Treffens eine Fortführung der auf dem ersten Treffen in München begonnenen Konsensfindung (vgl. Crossener Mitteilungen Nr.5). Gemäß dieser Konsensdefinition und der darin festgehaltenen Aufgaben der SAMT, wurde ein Konsens zu Ausbildungsinhalten und Mindestanforderungen für Lehrmusiktherapeuten erarbeitet. Das entstandene Papier wird noch einmal diskutiert und bei Vorliegen mitgeteilt.

Es wird neben dem Münchener Papier eine Grundlage der weiteren Arbeit der SAMT bilden. Neu in der Runde der SAMT war die Anthroposophische Musiktherapieausbildung. Frau Bissegger äußerte Interesse an der SAMT in ihrer jetzigen Form, legte sich jedoch noch nicht endgültig auf eine Mitgliedschaft der Anthroposophischen Ausbildung in diesem Gremium fest. Außerdem wurde beschlossen, auf dem Weltkongress in Hamburg als SAMT noch nicht vertreten zu sein. Das nächste Treffen findet im Juni 1996 in Berlin statt.

 

Thomas Wosch

 

Aus - und Weiterbildung

 

Ausbildungsinhalte (Mindestanforderungen) für den Lehr - Sozialmusiktherapeut

Der Rat für Aus und Weiterbildung der DMVO beschloß folgende Kriterien für die weitere Gestaltung der Ausbildung zum Lehr - Sozialmusiktherapeuten:

  1. 1. Ausbildungsinhalte über praktische Tätigkeit als Trainingsleiter unter Supervision
  1. 2. Teilnahme an Vertiefungskursen
  1. 3. Supervisionierte Arbeit
  1. 4. Theoretische Anforderungen Kenntnisse der einschlägigen lehrplanspezifischen Literatur zu Themenbereichen wie
  1. 5. Praktische Tätigkeit auf instrumentalem, vokalem, und musiktheoretischem Gebiet.

 

Zeitlicher Rahmen der Ausbildung: 2 - 4 Jahre

Ausbildungseinrichtung: Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen

 

Kurznotizen

 

In Vorbereitung

Schwabe, Christoph und Helmut Röhrborn, Regulaive Musiktherapie, 3. Auflage Gustav Fischer Verlag - Jena & Stuttgart (erscheint voraussichtlich Sommer 1996)

Schwabe, Christoph und Helmuth Rudloff, Die Musikalische Elementarerziehung, gleichCrossener Schriften zur Musiktherapie Bd. 1, 2. Auflage , Eigenverlag

 

 

Dokumente

 

Thesen der Kasseler Konferenz zur Musiktherapie

Im Verlaufe der mehr als zweistündigen offenen und konstruktiven Diskussion wurde von den Teilnehmerlnnen der Konferenz zu folgendem Text Konsens erzielt (ausschließlich 3. letzter Satz):

 

  1. Musiktherapie ist eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin, die in enger Wechselbeziehung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht, insbesondere der Medizin, der Gesellschaftswissenschaften, der Psychologie, der Musikwissenschaft und der Pädagogik.
  2. Der Begriff "Musiktherapie" ist eine summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Methoden und Techniken, die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind.
  3. Musiktherapie als spezifische Form der Psychotherapie zu definieren, erfordert Aussagen zum zugrundeliegenden Psychotherapieverständnis.

 

Psychotherapie ist zunächst neben der Inneren Medizin und der Chirurgie als drittes klinisches Grundlagenfach der Medizin zu kennzeichnen. Ihr kommt integrative Funktion zu, was Bedeutung für die gesamte Medizin hat. Nach diesem Verständnis ist Musiktherapie als spezifische Form der Psychotherapie eine medizinische Behandlungsform. Ausgehend von einem bio- psycho- sozialem Krankheits- und Therapieverständnis verstehen wir Psychotherapie als Querschnittsdisziplin, die sich auf die Belange der in den einzelnen medizinischen Fachgebieten anzutreffenden Erkrankungen einzustellen vermag. Dies schließ den sozial-rehabilitativen Bereich der Medizin ein. Damit ist gleichzeitig gesagt, daß Psychotherapie nicht eingeengt auf Psychoanalyse und Verhaltenstherapie gesehen werden kann. Nach unserem Verständnis ist sie ein System von Methoden, die einander zugeordnet werden können und in Abhängigkeit von jeweils zu behandelnden Krankheitsbildern und der daraus resultierenden Indikationsstellung zur Anwendung kommen. Das Erscheinungsbild psychotherapeutischer Methoden ist demnach spezifisch kontextabhängig. Das betrifft insbesondere das methodisch - didaktische Therapeutenverhalten, den Umgang mit Gruppendynamik bzw. den dynamischen Prozessen in der Dyade sowie die Bestimmung von Therapiezielen. Es besteht heute weitgehend Einigkeit darüber, daß keine psychotherapeutische Methode oder Technik eine unabhängige Eigenwirkung entsprechend eines pharmakologischen Wirkprinzips entfaltet. Psychotherapie begründet sich in der Konstituierung einer Arbeitsbeziehung, bei der die Rahmenbedingungen festgelegt werden und der Therapeut seine Intentionen zum Erreichen eines definierten Therapiezieles dem Patienten nahebringt und mit ihm unter Zuhilfenahme psychotherapeutischer Methoden und Techniken umsetzt. Dabei ist weder der Methode, den eingesetzten therapeutischen Medien noch der Therapeut - Patient - Beziehung die alleinige oder überwiegende Wirkung zuzuschreiben. Methoden und Techniken können ihre Wirksamkeit im therapeutischen Prozeß durch Erleben, Erkennen, Verstehen sowie im Handeln des Patienten entfalten.

 

Die Kasseler Konferenz beschloß:

 

  1. Diese Thesen wurden für die innerverbandliche Diskussion freigegeben und können in den Verbänden diskutiert werden.
  2. Diese Thesen tragen den Zusatz "NICHT KOPIERFÄHIG"