Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e. V. - DMVS e. V.

Crossener Mitteilungen Nr. 23, Juli 2006

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Alles neu macht der Mai?!

 

Die beiden Satzzeichen sollen für sich sprechen. Anspielen wollte ich damit auf die Namensänderung unseres Vereins - das "O" wurde durch ein "S" ersetzt, aus der DMVO e. V. wurde die DMVS e. V., das bedeutet aus der Deutschen Musiktherapeutischen Vereinigung Ost e. V. wurde die Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e. V..

Beschlossen wurde diese Namensänderung in der Mitgliederversammlung unseres Vereins am 5. Mai diesen Jahres. Informiert über den Vorschlag zur Namensänderung wurden Sie mit der Einladung zur Mitgliederversammlung, in der die Satzungsänderungsvorschläge bekannt gegeben wurden.

Warum diese Namensänderung? Zum einen führte das "Ost" im Namen unseres Vereins immer wieder zu Missverständnissen - Fragen, ob der Abschluss nur im "Osten" gilt, ob auch Interessenten aus den "alten" Bundesländern die Ausbildung machen dürfen usw. Das "Ost" im Namen gehört zur Geschichte unseres Vereins und zur musiktherapeutischen Tradition der Musiktherapie im Osten Deutschlands, die in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts begann und eng mit der Person von Christoph Schwabe verknüpft ist. Und aus diesem Grund lag es nahe, auch den Namen der Vereinigung, die sich ihrer Satzung nach der Pflege und Weiterentwicklung des musiktherapeutischen Konzepts nach Schwabe verpflichtet sieht, in der Weise zu verändern, dass dieses auch im Namen ersichtlich ist. So wie wir Musiktherapeuten es in unserer eigenen Arbeit, in der Ausbildung an der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen und bei der theoretischen Weiterentwicklung des musiktherapeutischen Konzepts erleben, soll es auch mit unserem Verein, der jetzigen DMVS e.V. weitergehen. Erhalten, was sich bewährt hat, aber auch Mut, Bewährtes zu überdenken und in Frage zu stellen und wenn es nötig ist, zu verändern und weiterzuentwickeln. Wenn ich die Namensänderung unter diesem Blick betrachte, merke ich, dass es eigentlich keine "Änderung" ist, sondern eben dieses Überdenken von etwas Vertrautem, was letztendlich zu einer Weiterentwicklung führte, die das Bewährte beibehält.

 

Die Namensänderung tritt in Kraft, wenn die DMVS e.V. im Vereinsregister eingetragen ist - dieses wurde vom Vorstand bereits in die Wege geleitet. Alte Ausweise und Urkunden behalten ihre Gültigkeit, ebenso die Berufszuerkennungen. Wer einen neuen Mitgliedsausweis möchte, kann sich bei Frau Schulze im Büro der Akademie melden.

Alles neu machte der Mai - vieles von dem, was sich in unserer Vereinigung im Frühjahr getan hat, finden Sie in diesem Heft, wie z.B. die Berichte von der Mitgliederversammlung und unserem wissenschaftlichen Symposium "Satt - Sauber - Seelisch unterernährt?". Besonders hinweisen möchte ich Sie auch auf die Rezension des neuen Bandes der Crossener Schriften. Des Weiteren finden Sie wie immer Informationen zur Länderarbeit, zu Angeboten der Akademie und "5 Fragen an..." jemanden, der Ihnen allen sicherlich aus der Ausbildung noch gut bekannt ist.

 

Antje Stolz

 

Rezension über das Wissenschaftliche Symposium "Musiktherapie mit behinderten Menschen - Anliegen und Realität" der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen und der Deutschen Musiktherapeutischen Vereinigung Ost e. V.

 

Unter dem Leitgedanken "Satt - Sauber -Seelisch unterernährt?" führten beide Institutionen vom 5. bis 6. Mai 2006 in der Fachklinik Klosterwald in Bad Klosterlausnitz, dem Sitz der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen, ihr diesjähriges wissenschaftliches Symposium durch, und das vor einem kleinen, aber höchst interessierten Kreis von Musiktherapeuten, die zumeist auch im Bereich der Behindertenarbeit musiktherapeutisch tätig sind. Dabei wäre es durchaus wünschenswert gewesen, wenn sich auch Musiktherapieinteressierte und -tätige aus anderen Arbeitsgebieten, insbesondere den klinischen, eingefunden hätten; denn es ging hier nicht nur um die praktische Arbeit, sondern auch und vor allem um zentrale Fragen der Existenz und der Integration von Musiktherapie in die Realität relevanter gesellschaftlicher Kontexte.

 

Wie sagte uns vor einiger Zeit sinngemäß einer der bekanntesten deutschen Psychotherapeuten in einem Gespräch, wo es um die Integration musiktherapeutischer Leistungen in die vielfältigen Arbeitsgebiete der Behindertenarbeit ging:

"Wenn ihr euch diesem Gebiet zuwenden werdet, dann wird euch das keiner wegnehmen." Und seitdem sinnen wir über diesen Ausspruch nach und fragen uns, was das wohl im Einzelnen bedeuten könnte.

Antworten auf diese Frage bieten sich reichlich an. Ich nenne nur die wichtigsten:

Das ist kein lukratives musiktherapeutisches Arbeitsfeld; da kann man keine Lorbeeren ernten. Diese Leute sind doch keine "Therapiefälle", was soll man da "therapieren"? Man kann sich da nicht einmal mit gestandenen Psychotherapeuten messen oder anlegen; auch kann man mit dieser Arbeit nicht bei den Kassen um Anerkennung fechten. Das ist doch viel weniger interessant als beispielsweise die musiktherapeutische Arbeit mit Menschen, die noch gar nicht geboren sind oder Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Essen haben oder Menschen, die die Welt ablehnen oder Menschen, die nicht wissen, dass sie psychisch krank sind usw.

 

Die Vorträge, die ich hörte und/oder moderierte, sagten etwas anderes: Das Ringen um ein wenig mehr seelische Ausgeglichenheit im Chaoszustand eines Kindes oder eines Alten unter den Bedingungen der realen Lebenssituation und das mit musiktherapeutischen Mitteln, das hat uns nicht selten die Tränen in die Augen getrieben, so ergriffen waren wir von der Arbeit unserer Kollegen, und so abenteuerlich spannend ist deren musiktherapeutische Arbeit, einschließlich des Kampfes um Arbeitsberechtigung bei den Bürokraten, den Besserwissern, den Eltern und anderen, die alle "das Beste" für diese Klientel wollen.

 

Ich verbeuge mich vor den Leistungen meiner Kollegen, die in einem Arbeitsgebiet tätig sind, das ich selbst zwar seit Dezennien kenne, aber selbst nie betreten habe. Und ich entdecke mit Staunen und großer Freude, was Musiktherapie in dieser konkreten Anwendungswelt tatsächlich bewirken kann.

Und nun kommt das Interesse des Forschers und fragt: haben wir uns mit diesem Gebiet eigentlich schon ausreichend befasst? Die Antwort ist eindeutig: Nein. Und daraus resultiert: wir sind es den vielen Menschen, die unsere Hilfe benötigen, dringend schuldig, dass wir uns mit dieser Aufgabe möglichst schnell beschäftigen, um unsere Kollegen, die auf diesem Gebiet musiktherapeutisch erfolgreich tätig sind, noch besser auszurüsten. Das betrifft die Spezifik musiktherapeutischen Handelns bei unterschiedlich gearteten Behinderten; das betrifft die Analyse und Konsequenzen von Integrationsbedingungen musiktherapeutischer Leistungen in die vorhandenen Institutionen und Lebensbedingungen Behinderter, das betrifft nicht zuletzt die Auseinandersetzung über die Terminologie solcher Leistungen, die für uns zwar den Charakter von "Musiktherapie" haben, die aber in der Praxis unter diesem Begriff häufig nicht anerkannt werden.

 

Wie die Praxis der einzelnen Vorträge zeigte, laufen musiktherapeutische Leistungen häufig unter abenteuerlichen Begriffen bis hin zur Freizeitgestaltung. (Vielleicht ist Musiktherapie tatsächlich manchmal am besten oder einfachsten umzusetzen in diesem Rahmen!?) Das verlangt von uns aber eine wissenschaftliche Begründung und die Ausdauer eines beharrlichen Weges, damit das, was unser Konzept von Musiktherapie in Wirklichkeit leisten kann, nicht an den Mauern von Begriffsfixierungen scheitern muss.

 

Was "Musiktherapie" zu realisieren vermag, das zeigte uns in zutiefst bewegender Weise die 8. Klasse mit Schülern der Heilpädagogischen Schule Bonnewitz bei Dresden unter Anregung und Leitung von Andrea Rost und Gunther Erpel mit einem, durch diese Klasse unter Anregung von Andrea Rost selbst gestalteten Musiktheater mit Goethes "Zauberlehrling". Was wir "Normalen" da erlebten, machte uns stumm und andächtig. Wir erlebten nämlich, dass "die Behinderten" Ausdrucksstärke und -qualität zeigten, über die mancher von uns in dieser Offenheit und Vielfalt nicht verfügt.

 

Das ist vielleicht das größte Wunder, wenn man sich Menschen zuwendet, für die wir die Bezeichnung "Behinderte" erfunden haben: Diese Menschen verfügen über Qualitäten, die gerade auch durch Musiktherapie geweckt, geschützt und entwickelt werden können, und die in dieser "Reinheit", aber auch "Gefährdetheit" bei uns "anderen" auf Grund unserer Behinderungen durch die Leistungsgesellschaft, in der wir leben, nur noch selten anzutreffen sind.

 

Ist das nicht Grund genug, dass wir Musiktherapeuten uns mit diesem Arbeitsgebiet beschäftigen sollten? Wir, die Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen, haben das erkannt und werden es verstärkt tun und hoffen auf Verbündete, die da mittun.

 

Christoph Schwabe, Vollmershain

 

Mitgliederversammlung der DMVO am 5. Mai 2006

 

Im Anschluss an die Tagung fand die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung statt. An ihr nahmen 32 Mitglieder teil, d.h. ca. zehn Prozent der gesamten Mitgliederzahl der DMVO bzw. DMVS - eine für uns etwas enttäuschende Zahl, handelt es sich bei der Mitgliederversammlung doch um das eigentlich wichtigste Vereinsgremium, nicht nur aber gerade auch für den gegenseitigen Meinungs- und Informationsaustausch. Dies umso mehr, da im Mittelpunkt hochaktuelle und für jedes Vereinsmitglied bedeutsame Aspekte standen, wie die momentane berufs- und verbandspolitische Situation bzw. Entwicklung, sowie einige für uns wichtige Satzungsänderungen. So möchten wir an dieser Stelle jeden einzelnen ermuntern, bei aller Zeitnot, sich auf diese Weise mehr in das Vereinsleben einzuschalten, im eigenen Interesse und für uns als Vorstand als Hilfe und Anregung. Davon lebt und profitiert der ganze Verein und damit jedes einzelne Mitglied.

 

Zu Beginn der Mitgliederversammlung verlas Gerhard Landes den allgemeinen Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr, bestehend aus den Angaben zur allgemeinen Mitgliederbewegung sowie Informationen zu den verschiedenen Vereinsaktivitäten (Akademie, Ländertage, Arbeitskreise etc.). Es folgte der Kassenbericht für die Jahre 2004 und 2005, dargelegt von Ulrike Haase als Schatzmeisterin. In diesem Zusammenhang bestimmte die Mitgliederversammlung auf Vorschlag des Vorstandes Anke Parybyk-Landes und Axel Reinhardt zu den zwei Kassenprüfern.

 

Nach dem Kassenbericht erläuterte Ulrike Haase ausführlich den gegenwärtigen Stand der berufs- und verbandspolitischen Entwicklung und stellte in diesem Zusammenhang noch einmal eindeutig die Position des Vorstandes dar, wie auch schon in den vorherigen Crossener Mitteilungen geschehen. Wir als Vorstand betrachten das Tempo der momentanen Aktivitäten anderer Verbände, vor allem von BVM und DGMT hin zu einem "gemeinsamen" Fach- und Berufsverband mit großer Skepsis und Sorge. Wie auch schon mehrfach erwähnt, unterstützen wir mit aller Kraft Bestrebungen hin zu Kooperation, Konsens, bis hin zu möglichen gemeinsamen Organisationsstrukturen, lehnen jedoch den oben beschriebenen Weg ab, nämlich dies de facto unter Umgebung der BAG Musiktherapie (früher Kasseler Konferenz) zu verwirklichen, obwohl in gemeinsamen vorherigen Beschlüssen von allen Verbänden die BAG als Ausgangspunkt für eine weitere Entwicklung der musiktherapeutischen Verbandslandschaft gesehen wurde. Dabei ist es für uns unerlässlich, im Sinne und Interesse aller Musiktherapeuten, zuerst zu klären, in welcher Organisationsstruktur die Vielfalt der gewachsenen musiktherapeutischen Strukturen gleichberechtigt erhalten werden kann und wo eine effiziente Bündelung der Interessen notwendig und möglich ist. In dieser Hinsicht fühlen wir uns auch durch einige Äußerungen von Musiktherapeuten anderer Verbände in unserer Haltung bestätigt und ermutigt.

 

Nach einer kurzen sachlichen Diskussion wurde der Vorstand einstimmig entlastet.

 

Die zweite Hälfte der Mitgliederversammlung nahmen die Abstimmungen über die bekannten, vom Vorstand beantragten Satzungsänderungen, welche vor allem den Sinn haben, das Profil unseres Vereines zu schärfen und zu präzisieren.

 

Sämtliche Anträge wurden mit großer Mehrheit angenommen. Es wird darauf hingewiesen, dass die komplette neue Satzung über unsere Geschäftsstelle angefordert oder über unsere Internet-Seite angesehen und heruntergeladen werden kann.

 

Gerhard Landes

 

Fünf Fragen an Axel Reinhardt, Lehrmusiktherapeut der DMVS, Diplom-Musiker, Gartenliebhaber, Musiktherapeut im klinischen Bereich, Klarinettenspieler, Dresdener, Forscher, "Vielarbeiter", ...

 

  1. Axel, Du bist Musiktherapeut in einer psychiatrischen Tagesklinik in Dresden. Könntest Du kurz beschreiben, wie sich Deine Arbeit dort gestaltet?

     

    Die Musiktherapie ist seit vielen Jahren eine wichtige Säule des psychotherapeutischen Behandlungsanteils unseres komplexen, bio-psycho-sozial orientierten tagesklinischen Behandlungskonzepts. Dies betrifft vor allem die Instrumentalimprovisation, die Bewegungsimprovisation nach "klassischer" Musik, die Gruppensingtherapie sowie die Regulative Musiktherapie. Diese musiktherapeutischen Methoden bzw. Handlungsformen werden mit anderen einzel- und gruppenpsychotherapeutischen Verfahren kombiniert.

    Mein Aufgabenbereich umfasst die Indikationsstellung - natürlich gemeinsam mit den ärztlichen und psychologischen Kollegen - die Konzipierung und Durchführung der musiktherapeutischen Behandlungen, wobei hier das Gruppensetting überwiegt, aber auch seit Jahren zunehmend die Umsetzung einzelpsychotherapeutischer Behandlungen, in denen ich musiktherapeutische und gesprächspsychotherapeutische Vorgehensweisen kombiniere.

     

  2. Du bist ja auch Lehrmusiktherapeut an der Akademie für Angewandte Musiktherapie Crossen. Wenn Du Diese Tätigkeit mit Deiner Arbeit in der Tagesklinik vergleichst, wo sind da die Unterschiede, gibt es vielleicht auch Gemeinsamkeiten?

     

    In dieser Frage wird eine grundsätzliche, ausgesprochen wichtige, in den verschiedenen musiktherapeutischen Konzeptionen kontrovers diskutierte Problematik angesprochen.

    Zunächst möchte ich feststellen, dass eine Aus- und Weiterbildung zum Musiktherapeuten nicht mit einer (musiktherapeutischen/psychotherapeutischen) Behandlung verwechselt werden sollte und umgekehrt. Dies nicht klar zu trennen - auch Grenzverwischungen sind für alle Beteiligten gefährlich - hieße, das jeweilige Anliegen nicht eindeutig zu identifizieren und es dann auch nicht konsequent verfolgen zu können.

    Für mich heißt das neben der theoretischen Positionierung in der Praxis immer wieder Rollendisziplin zu üben und diese kritisch zu hinterfragen oder hinterfragen zu lassen.

    Ausbildungskandidaten sind keine Patienten und sollten weder als solche betrachtet noch behandelt werden.

    Diese Position ist gerade für die verantwortungsbewusste und saubere Durchführung subjektbezogener, differenzierter Selbsterfahrung wichtig. Hier soll der Ausbildungskandidat zu Einsichten in die Psychodynamik seiner individuell typischen intrapsychischen und interpersonellen Verhaltensmuster geführt werden und deren Bedeutung für sein therapeutisches Handeln erkennen.

    In diesem Prozess gewinnt der Musiktherapielehrer natürlich auch Einblicke in individuelle Konfliktlagen der Ausbildungskandidaten und deren Bewältigungsmechanismen einschließlich der individuell prävalierenden Ich-Erhaltungsmechanismen.

    Dabei müssen möglicherweise auftauchende behandlungsbedürftige Phänomene erkannt, angesprochen und gegebenenfalls eine Behandlung außerhalb des Ausbildungskontextes empfohlen werden. Ich denke dabei an intrapsychische und interpersonelle Konfliktlagen, die es dem Einzelnen verunmöglichen, sich dem Ausbildungsanliegen weiter öffnen zu können.

    Dieser Aufgabe kann der Lehrmusiktherapeut nur gerecht werden, wenn er sich rollenadäquat verhält, sein Anliegen - Vermittlung spezifischer Ausbildungsinhalte - im Blick hat und die Ausbildungskandidaten nicht in die Rolle von Patienten im Ausbildungssetting bringt.

    Gemeinsamkeiten sehe ich einmal in der konzeptionellen Basis meines Handelns in beiden Arbeitsfeldern sowie in grundsätzlichen Haltungen und Einstellungen Patienten und Ausbildungskandidaten gegenüber wie z.B. Empathie, Akzeptanz, Selbstkongruenz, Respekt und Transparenz.

     

  3. Neben all diesen beruflichen Herausforderungen findest Du ja auch noch Zeit, Dich mit musiktherapeutischer Forschung zu befassen. Welche Projekte laufen da im Moment, gibt es für Musiktherapeuten Möglichkeiten, sich daran zu beteiligen oder ähnliches anzugehen?

     

    Ich beschäftige mich seit einigen Jahren, einer Anforderung der praktischen Arbeit folgend, mit konzeptionellen und methodisch-didaktischen Fragestellungen in der musiktherapeutischen Behandlung von Patienten mit ich-strukturellen Störungen (Persönlichkeitsstörungen).

    Zur Buchveröffentlichung vorbereitet ist die gemeinsame Arbeit von Dr. med. Katrin Knothe und mir: "Stellung, Bedeutung und Effektivität der Musiktherapie in der Behandlung psychiatrischer Patienten", eine Studie mit naturalistischem Design, die 117 Patienten einschlos,s bei einer Mindestbehandlungsdauer von 8 Wochen.

    Damit konnte die Wirksamkeit des musiktherapeutischen Konzepts nach C. Schwabe belegt werden.

     

  4. Du bist gemeinsam mit Christoph Schwabe Verfasser des neuen Bandes der Crossener Schriften "Das Kausalitätsprinzip musiktherapeutischen Handelns nach Schwabe: Weg und aktueller Stand". Wie kam es dazu?

     

    Für mich gab es unterschiedliche Triebkräfte für dieses Projekt.

    Zum einen brauchten wir für die angesprochene Veröffentlichung eine kompakte Darstellung des musiktherapeutischen Konzepts nach C. Schwabe, dessen Herzstück das Kausalitätsprinzip musiktherapeutischen Handelns darstellt.

    Zum anderen gab es immer wieder Verständnisfragen von den Ausbildungskandidaten und Kollegen, beispielsweise zur phänomenologischen und methodisch-didaktischen Seite des Handlungsansatzes und zur übergreifenden Bedeutung des wahrnehmungsorientierten Handlungsprinzips.

    Nicht zuletzt ist zu erwähnen, dass ich die Entwicklung unserer musiktherapeutischen Konzeption nun fast 30 Jahre begleite und den jetzt erreichten Stand einmal festhalten wollte.

     

  5. Das klingt alles nach einer Menge Arbeit, die Du leistest. Wo holst Du Dir eigentlich den Ausgleich dazu?

     

    Ich habe mich sicher in vergangenen Jahren zu wenig um Ausgleich und Regeneration bemüht. Körper und Seele haben mich jedoch eindrücklich gemahnt.

    Jetzt schöpfe ich vor allem Kraft in meinem Garten, ich bewege mich regelmäßig mit Rad und zu Fuß durch die Landschaft und ich blase meine Klarinette.

    Nicht zu letzt genieße ich die Erfolge in meiner therapeutischen Arbeit.

     

 

Pünktlich zum Symposium am 5. Mai 2006 erschienen: Band XVII der Crossener Schriften zur Musiktherapie

 

Christoph Schwabe und Axel Reinhardt
Das Kausalitätsprinzip musiktherapeutischen Handelns nach Schwabe
Weg und aktueller Stand

 

Generationen von Absolventen der Akademie haben es mit auf ihren beruflichen Weg genommen: das Kausalitätsprinzip. Verstanden, unverdaut, als Prüfungskomplex gefürchtet, bewundert, kritisiert oder in die Ecke gelegt - es sind ihm unterschiedliche Schicksale widerfahren. Wer verstanden hat, es als Instrument für die Gestaltung therapeutischer Prozesse zu nutzen, möchte es nicht mehr missen und weiß, dass er als Crossener Absolvent in einer komfortablen Lage ist gegenüber Kolleginnen und Kollegen, die mit weniger Klarheit ausgerüstet ihren beruflichen Weg beschreiten müssen.

 

Die Vermittlung des Kausalitätsprinzips während der Ausbildung war durchaus eine Herausforderung, denn in der Literatur wurde es zwar beschrieben und hier und da erwähnt, es fehlte aber eine Gesamtdarstellung, die seine historische Entwicklung einschließt.

Diese ist uns nun mit dem neuen Band der Crossener Schriften an die Hand gegeben.

Wenn auch der Stil des Buches, wie immer, nicht der Unterhaltungslektüre zuzurechnen ist und an die Denklust der Leser appelliert, so ist die Lektüre doch ein Gewinn, weil manches, was bisher vielleicht halbverdaut im Therapeutengehirn schlummerte, nun Kontur bekommt.

Besonders möchte ich an dieser Stelle den Handlungsansatz hervorheben, dessen Dimension aus phänomenologischen und didaktischen Ausgangsbedingungen erstmals in einer Zusammenschau umfassend dargestellt wird.

 

Statt einer Rezension möchte ich Auszüge aus einem Briefwechsel zwischen Ulf Gladis, Sozialpädagoge und Musiktherapeut in den "Hoffnungsthaler Anstalten", und Christoph Schwabe wiedergeben, der den lebendigen Umgang mit Fachliteratur spiegelt und den wir uns öfter wünschen würden.

 

Ulf Gladis schrieb nach dem Symposium eine E-Mail an Christoph Schwabe:

Beim Lesen des "Kausalitätsprinzips" sind mir zwei Fehler aufgefallen: Auf der S. 21 wurde falsch zitiert und es muss "Gruppenpsychotherapie" statt "Gruppenmusiktherapie" heißen.

Auf S. 27 muss es "variable" statt "invariable" heißen.

 

Christoph Schwabe antwortete postwendend unter dem Betreff "Grausalitätsbetrieb":

Lieber Herr Gladis, bei Ihrem Scharfblick bin ich eigentlich etwas enttäuscht, dass Sie den eigentlichen Fehler, der extra für "Scharfblicker" im Text ist, nicht entdeckt haben und dafür selbst Fehler produzieren. Die "Invariablen" sind eben die unveränderlichen Rahmenbedingungen... Mit der S. 21 haben Sie freilich Recht, obwohl es kein richtiger Fehler ist. Aber vielleicht entdecken Sie ja auch etwas Nützliches. Bleiben Sie schön neugierig...

 

Daraufhin schrieb Ulf Gladis am 15. Mai einen Brief an Christoph Schwabe:

Sehr geehrter Herr Dr. Schwabe,

bitte entschuldigen Sie mein doch etwas rüpelhaftes Benehmen nach der Lektüre des "Kausalitätsprinzips". Das kommt von der in diesem Fall unseligen E-mail-Kultur. Hätte ich direkt an Sie geschrieben, wäre mir wohl nicht eingefallen, diese Bemerkung als Reaktion nach dem Lesen Ihres Buches abzuschicken... Selbstverständlich habe ich auch viel Nützliches entdeckt.

Ich bin sehr froh über die zusammenhängende Darstellung des Weges bzw. der Geschichte.

Die war bisher so nicht zu lesen... Mit der nun erfolgten Fixierung ist sie auch dem Bereich der mündlichen Fixierung enthoben, dem ja auch immer etwas Mythologisches anhaftet.

Ich persönlich finde das sehr nützlich.

Außerdem muss ich gestehen, dass mir erst jetzt der Unterschied zwischen Kausalität und Finalität klar geworden ist. Früher habe ich meine Arbeit immer als prozessorientiert im Gegensatz zu ergebnisorientiert bzw. zielorientiert beschrieben. Dabei war ein Ziel dann aber immer etwas beliebig und eigentlich überflüssig. Man brauchte es allenfalls, um erstmal in eine Richtung gehen zu können... Heute würde ich sagen, der Prozess orientiert sich zwar am Handlungsansatz, also am Ausgangspunkt. Es besteht jedoch ein kausaler Zusammenhang zwischen diesem Ausgangspunkt (als Ursache) und dem Handlungsziel...

Das sind jetzt nur zwei Punkte, und der Beitrag von Axel Reinhardt ist auch noch gar nicht gewürdigt. Aber immerhin ist es schon ein bisschen mehr und vor allem angemessener als das Aufzählen von so genannten Fehlern.

In der Hoffnung auf Nachsicht grüße ich Sie sehr herzlich aus Lobetal
Ihr Ulf Gladis

 

Das Buch kann per Internet, Telefon oder Fax zum Preis von 9,50 € plus Versandkosten bei der Akademie bestellt werden.

 

Guten Erkenntnisgewinn beim Lesen!
Ulrike Haase

 

Bundesarbeitsgemeinschaft Musiktherapie

 

Zur letzten Sitzung der BAG Musiktherapie in Kassel am 28. / 29.4.06 standen u.a. folgende Themen auf der Tagesordnung:

 

 

Dieses Thema haben wir zur Mitgliederversammlung ausführlich besprochen.

Es gilt nun zu klären, welche Rolle künftig die kürzlich gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft Musiktherapie (ehemals Kasseler Konferenz, KK) spielen wird, wenn es den neuen Verband geben wird. Laut Geschäftsordnung der BAG ist sie es, die die fachlichen und berufspolitischen Interessen der MusiktherapeutInnen in Deutschland koordiniert und vertritt.

Die Beziehung zwischen der BAG Musiktherapie und der Verbandsneugründung ist deshalb Thema eines moderierten Workshops in Kassel im September.

Der Vorstand der DMVS hat auf seiner letzten Sitzung am 17.6.06 dazu Fragen formuliert, die in die Diskussion eingebracht werden sollen.

 

Weiteres zur Arbeit der BAG Musiktherapie finden Sie auf der Homepage www.kasseler-konferenz.de zur Homepage der Kasseler Konferenz [neues Fenster]

 

Ulrike Haase

 

Länderarbeit

 

2. Thüringisch-Sächsischer Musiktherapietag
Thema: Musiktherapie als präventive Maßnahme

 

Prävention im Gegensatz zu Intervention heißt ganz frei übersetzt, etwas zu tun, bevor es zu spät ist. Für uns Musiktherapeuten ein wichtiges Gebiet, arbeiten doch viele gerade in Arbeitsgebieten wie Pädagogik und im sozialen Bereich, wo die Grenze zwischen Gesunden und Kranken, Klienten und Patienten unscharf ist, wo oft außer dem zu therapierendem Mensch auch dessen (scheinbar) gesundes Umfeld Unterstützung braucht.

Allerdings bewegt sich das Arbeitsgebiet der präventiven Maßnahmen in einem Bereich, für den sich kaum einer zuständig fühlt oder ihn bezahlen will. Ist Prävention Aufgabe der Krankenkassen, des Sozialamtes, der Schulen und Erziehungseinrichtungen? Wie kann ich als Musiktherapeut diesen Stellen die Möglichkeiten, die präventive musiktherapeutische Arbeit hat, verdeutlichen? Wie unterscheidet sich präventive musiktherapeutische Arbeit von anderen Arbeitsfeldern in der Musiktherapie? Was ist beim konzeptionellen und didaktischen Herangehen auf diesem Gebiet zu beachten?

All das sind wichtige Themen, die zum diesjährigen thüringisch-sächsischen Musiktherapietag diskutiert werden.

 

Der thüringisch-sächsische Musiktherapietag findet am 2. September 2006 in Jena, Zentrum für Familie und Alleinerziehende e.V. in der Dornburger Straße 26 statt. Von 9.30 Uhr bis etwa 16.30 Uhr wird es in Vorträgen, Gesprächsrunden und Workshops schwerpunktmäßig um präventive musiktherapeutische Arbeit gehen. Eingeladen sind natürlich auch Musiktherapeuten und Interessierte anderer Bundesländer.

 

Genauere Informationen erhalten Sie über:
Kerstin Rilke
Görkwitzer Unterweg 1
07907 Schleiz

Tel.: 03663/402879
e-mail: laenderarbeit@dmvs.info

 

Musiktherapietag in Mecklenburg-Vorpommern

 

Der diesjährige Musiktherapietag im Norden Deutschlands findet am 16. September 2006 in Güstrow statt. Von 10 Uhr bis 15 Uhr wird es diesmal um Möglichkeiten gehen, die die tänzerische Musiktherapie in der Arbeit mit behinderten Menschen bietet.

 

Für genauere Informationen wenden Sie sich bitte an Cornalia Linde oder Kathrin Schubert (Tel.: 0381/7699136).

 

Neuer Landesbeauftragter in Berlin und Brandenburg

 

Für Berlin/Brandenburg hat sich Ulf Gladis als neuer Landesbeauftragter bereiterklärt. Wer aus diesen Bundesländern Wünsche, Fragen, Vorschläge hat, kann sich wie folgt, an ihn wenden:

 

Ulf Gladis
16321 Bernau
Alt-Lobetal 9
OT Lobetal

Tel.: 03338/66475
e-mail: ulf.gladis@genion.de

 

Informationen - Statistiken - Notizen

 

Nachtrag zur Mitgliederversammlung:

 

Die Kassenprüfer/innen Anke Parybyk-Landes und Axel Reinhardt haben festgestellt, dass die Prüfung des Kassenberichtes keine Beanstandungen ergab.

 

Aufbaukurs RMT 2006/2007:

 

Noch einmal zur Erinnerung: Der Wunsch nach einem Aufbaukurs RMT wurde von Mitgliedern unseres Vereins wiederholt geäußert. Christoph Schwabe bot daraufhin einen solchen Kurs an (siehe auch Crossener Mitteilungen Januar 2006). Da die Mindestteilnehmerzahl von 8 Teilnehmern noch nicht ganz erreicht ist, erinnern wir alle Interessenten letztmalig an die Anmeldung für diesen Kurs.

 

Der Aufbaukurs RMT besteht aus drei Wochenendkursen Selbsterfahrung sowie drei Wochenendkursen Leitertraining (Beginn jeweils Freitag 19 Uhr, Ende Sonntag 12 Uhr) und endet mit einem Teilnahmezertifikat.

Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 900 Euro, die in monatlichen Raten zu je 150 Euro bezahlt werden können.

Teilnahmevoraussetzungen sind Grundkenntnisse in RMT beispielsweise durch eine Ausbildung mit dem Abschluss "Sozialmusiktherapie".

Termine: 20.10.-22.10.2006, 17.11.-19.11.2006, 8.12.-10.12.2006

Die Termine für die drei Wochenenden "Leitertraining" werden im Sommer 2006 innerhalb des dann vorliegenden Jahresprogramms der Akademie für 2007 mitgeteilt.

Leiter der Aufbaukurses RMT ist Doz. Dr. phil. habil. Christoph Schwabe.

 

Mitgliederstatistik:

 

Die DMVS verfügt derzeit über 311 Mitglieder.

 

Impressum

 

Die "Crossener Mitteilungen" sind das Forum für Berichte, Informationen und Diskussionen der Deutschen Musiktherapeutischen Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e. V. (DMVS e. V.) zu berufspolitischen, vereinsinternen und musiktherapeutisch-fachlichen Fragen. Sie erscheinen halbjährlich und kostenfrei für alle Mitglieder der DMVS.

 

Herausgeber: Vorstand der DMVO
Redakteurin: Antje Stolz

Redaktionsschluss: für die nächsten Crossener Mitteilungen ist der 01.11.06, Beiträge der Mitglieder der DMVS bis zu diesem Termin sind ausdrücklich gewünscht.

Nächste Ausgabe: erscheint im Januar 2007