Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e. V. - DMVS e. V.

Crossener Mitteilungen Nr. 24, Dezember 2006

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Vorschläge und Vorsätze

 

Zu Beginn dieses Dezemberheftes (und trotz regnerischen Wetters ein wenig in Adventsstimmung) möchte ich einmal mit Vorschlägen für gute Vorsätze für das neue Jahr beginnen - nicht mit dem berüchtigten pädagogischen oder therapeutischen Zeigefinger - die Ideen, die ich hatte, haben wohl auch eine Menge mit meinem eigenen Nachdenken in Bezug auf meine eigene Verbundenheit mit Musiktherapie, der DMVS und der Akademie zu tun...

 

 

In diesem Heft finden Sie in alt bewährter Art und Weise unsere "Fünf Fragen an..." - diesmal an den Vorstandsvorsitzenden der DMVS.

In Mecklenburg-Vorpommern und in Thüringen (gemeinsam mit Sachsen) fanden im Herbst Musiktherapietage statt, von denen die Mitglieder berichten.

Ganz besonders möchte ich Sie auf unser Jahresprogramm 2007 hinweisen, das diesen Crossener Mitteilungen wie immer am Ende eines Jahres beiliegt. Zusätzlich zu den Angeboten, die Sie dort finden, beginnt Christoph Schwabe im nächsten Jahr eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel "Bildgestalten und Natur".

Wir haben uns entschlossen, in diesem Heft keinen Beitrag zur derzeitigen Situation in den verschiedenen musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland zu veröffentlichen. Der Stand zur Mitgliederversammlung vom 5. Mai 2006 hat weiter Gültigkeit - nachzulesen auch in der Juliausgabe der Crossener Mitteilungen. Stattdessen finden Sie am Ende des Heftes ein Winterlied - als Anregung, alte, manchmal in Vergessenheit geratene Singtraditionen wieder aufleben zu lassen, ob in der Familie, auf Arbeit oder mit Freunden.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein frohes Weihnachtsfest, ein gesundes neues Jahr und dass aus guten Vorsätzen viele schöne, bereichernde Erlebnisse und Begegnungen werden.

 

Antje Stolz (für den Vorstand der DMVS)

 

"Fünf Fragen an... Gerhard Landes"

 

  1. Gerhard, du bist jetzt seit 4 Jahren Vorsitzender der Deutschen musiktherapeutischen Vereinigung zur Förderung des Konzepts nach Schwabe bzw. ihrer Vorgängerin, der DMVO. Wie gestaltete sich dein Weg bis dorthin?

     

    Ich kam 1996 als absolutes "Greenhorn" nach Thüringen, hatte Psychologie studiert und begann in einer Reha-Klinik zu arbeiten. Die Klinikleitung suchte Gott sei Dank jemanden, der Interesse an Musiktherapie hatte und diese in das Behandlungskonzept der Klinik integrieren könnte. Ich hatte großes Interesse, wusste aber bis dahin von Musiktherapie nur, wie man das Wort richtig schreibt. Meine damalige Chefin drückte mir daraufhin eine Ausbildungsbroschüre der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen in die Hand und die Ereignisse nahmen ihren Lauf. Ich fing zuerst 1996 eine Ausbildung in RMT an, im selben Jahr auch noch in AMT, "leckte richtig Blut", war von Anfang an überzeugt und fasziniert von dem Konzept - auch von der Anwendbarkeit im meinem beruflichen Setting. Ein Jahr später trat ich der DMVO bei. Dem Vorstand (incl. DMVS) gehöre ich seit dem Jahr 2000 an, wie Du erwähntest, seit ca. vier Jahren als Vorsitzender.

     

  2. Welche Aufgaben hast du eigentlich als Vorsitzender unserer Vereinigung zu erfüllen?

     

    Formal habe ich den Verein und dessen Interessen nach außen hin zu vertreten, sei es bei anderen Verbänden, politischen Entscheidungsträgern, juristischen Institutionen oder einfach der allgemeinen Öffentlichkeit, dies aber nie allein, wie bekannt, haben diese Funktion auch alle anderen Vorstandsmitglieder, an erster Stelle Ulrike Haase und Ute Haesner. Dann bin ich natürlich Ansprechpartner vor allem auch für Walburg Schulze in der Geschäftsstelle. Darüber hinaus sehe ich mich als Ideengeber, Moderator und Koordinator der Aktivitäten des Vorstandes, bereite unsere regelmäßigen Besprechungen vor und leite diese.

    Vorsitz bedeutet für mich nicht inhaltliche Leitung oder gar alleinige Bestimmung der Grundlinien. Ganz im Gegenteil, ich bin froh und stolz darüber, einem Gremium vorsitzen zu dürfen, in dem wirklich sechs gleichberechtigte Mitglieder mit Engagement tätig sind. Jeder hat zwar eindeutig abgesprochene Aufgabenschwerpunkte, aber letztendlich handeln und entscheiden wir stets als Team - bei allen, manchmal auftretenden Meinungsverschiedenheiten, welche aber stets offen und konstruktiv geklärt werden können.

     

  3. Bei deiner früheren e-mail-Adresse stand ja ein "Wossi" am Anfang. Kannst du bitte mal erklären, was das bedeutete?

     

    Na ja, eigentlich ein Wortspiel, teilweise aus Jux, teilweise auch aus ernst gemeintem Hintergrund. Ich kam 1996 als "Westbürger" nach Thüringen, kannte bis dato, ich gestehe, die neuen Bundesländer nur aus der Durchreise. Ich hatte in meinen Koffern viel Vorfreude, Neugierde und Interesse für die Menschen aber auch mindestens genauso viele Ängste, ob ich dort Fuß fassen kann und ob ich überhaupt angenommen werde. Auch ich wurde, sei es vorher oder danach mit Vorurteilen konfrontiert aber ich hatte nie Lust, mich mit den wirklich nervigen O... und W... Bezeichungen zu belasten (ich will sie einfach nicht mehr ausschreiben). In einem damaligen Gespräch mit einer Kollegin gebrauchte sie den Begriff "Wossi" und irgendwie fand ich diesen für mich passend. Ich will mich nicht mit auf Vorurteilen beruhenden Grenzen befassen sondern lieber mit Verbindendem. Ja irgendwie ist dies Wort mehr zufällig in meiner E-mail-Adresse gelandet, da mein damaliger Anbieter meinen eigentlichen Nahmen irgendwie nicht akzeptieren wollte, warum auch immer...

    Nun bin ich entsprechend froh darüber, dass unsere Vereinigung, belegt durch unsere Mitgliederliste, kein "Ostverein" mehr ist sondern Mitglieder in ganz Deutschland sowie manch angrenzenden Ländern hat.

     

  4. Musiktherapie hat ja auch dein Privatleben sehr verändert. Ich erinnere mich da an Geschichten über ein gewisses Wochenende in der "Alten Schmiede"...

     

    Ich kann sagen, dass Musiktherapie mein Privatleben glücklicherweise entscheidend für immer geprägt hat. Dies habe ich wiederum Christoph Schwabe zu verdanken bzw. seiner Spezialveranstaltung "Bildgestalten mit Musik" in seiner Schmiede, bei der ich meine allerliebste Frau Anke im Jahr 1999 kennen lernte. So absurd es klingen mag, wir beide trafen zur selben Sekunde in Vollmershain ein, schauten uns verlegen an und alles nahm seinen Gang. Dieses Wochenende bleibt uns unvergessen, irgendwie magisch, die dortige Atmosphäre, die anderen Teilnehmer und die Betreuung durch Christoph Schwabe. Ein Jahr später wurden wir ein Paar und leben nun mit drei wundervollen Kindern glücklich zusammen.

     

  5. Es ist ja so, dass gerade Musiktherapeuten in der Ausbildung dich und dein Gesicht eher weniger kennen, da du nicht in der Akademie tätig bist. Welche Möglichkeiten gibt es für die Mitglieder der DMVS, sich mit Fragen, Problemen o. ä. an dich zu wenden?

     

    Ich freue mich über jeden Kontakt mit unseren Mitgliedern, sei es schriftlich per Post oder E-mail sowie telefonisch, direkt mit mir (Kontaktdaten stehen auf unserer Homepage) oder über die Geschäftstelle. Manchmal wünschte ich mir mehr Austausch mit den Mitgliedern, sei es in Form von Anregungen oder Anfragen sowie einfach Meinungsaustausch und lade jeden ein, dieses Angebot anzunehmen.

 

Rückblick auf den thüringisch-sächsischen Musiktherapietag der DMVS e.V.

 

Vielleicht war die geringe Teilnehmerzahl dem schönen Wetter und dem Datum der Schuleinführung geschuldet - für mich aber bleibt der 2. September 2006 ein strahlender Spätsommertag, in lebhafter Erinnerung.

Musiktherapeuten und an dieser Arbeit interessierte "Quereinsteiger" trafen sich in Jena im "Zentrum für Familie und Alleinerziehende e.V.", um über das Thema "Musiktherapie als präventive Maßnahme" zu diskutieren. Dr. phil. habil. Christoph Schwabe gab dazu in seinen Einführungsreferat wertvolle Impulse. Es trug den Titel "Notwendigkeiten und Utopien in präventiver musiktherapeutischer Arbeit". Dabei und im sich anschließendem Gespräch wurde deutlich, wie dringend diese Form der musiktherapeutischen Tätigkeit gebraucht wird in einer Gesellschaft, deren Individuen schon ab dem Kleinkindalter als Konsumenten funktionieren bzw. durch eine grenzenlos freie "Erziehung" der Möglichkeit ihrer gesunden Persönlichkeitsentwicklung beraubt werden.

 

Wie können wir das Medium Musik einbringen, dass es möglichst an vielen Stellen unseres Lebens seine stärksten Kräfte entfalten kann?

Ich selbst erlebe bei meiner musikpädagogischen Arbeit die fließenden Grenzen zwischen Pädagogik und Therapie. Wenn ich die ausschließliche Leistungsorientierung aufgebe und anscheinen "hoffnungslose Fälle" hindurchtrage, spüre ich mitunter, wie Musikausübung zur Lebenshilfe werden kann.

Da musiktherapeutische Prävention nicht gesetzlich und institutionell verankert ist, sind vom Therapeuten Erfindungsreichtum und Durchsetzungsvermögen gefordert, um in vielfältigen möglichen Arbeitsfeldern tätig werden zu können.

Erschreckend die Tatsache, dass der Musikunterricht an Schulen immer mehr Stellenwert verliert. Erschreckend, dass es nach wie vor Zensuren auf das Einzelvorsingen gibt, was nachweislich dazu führt, dass Menschen lebenslang nicht mehr singen, da sie in der Schule bestätigt bekommen hatten, dies nicht zu können. (Erlebe ich oft im Altersheim.) Wieviel seelische Gesundheit wird hier eingebüßt! - Parallelen ergaben sich im Workshop "Bildgestalten mit Musik". Kindern, die sich im Kleinkindalter intuitiv schöpferisch ausdrücken beim Malen, wird später beigebracht, wie man "richtig" malt und nicht "herumkritzelt". Auch hierbei werden Kräfte zerstört, die dringend zur Entwicklung nötig wären. In diesem Workshop wurde zwar nicht gemalt - aber trotzdem fanden die Teilnehmer den Austausch sehr fruchtbar.

Aktiv tätig sein konnte man im Workshop Instrumentalimprovisation. Immer wieder ein Abenteuer, was hierbei so geschieht... Eine andere Gruppe nutzte das Angebot des Regulativen Musiktrainings. Und so war für jeden Teilnehmer hoffentlich etwas dabei zum "Mitnehmen".

 

Ein Musiktherapietag - Möglichkeiten zum Kennenlernen, Auffrischen, Begegnen, Mutmachen.

Ich empfand diesen Tag als Stärkung, nahm Impulse mit und danke denen, die für uns alles gut vorbereitet hatten...

 

Anette Weller

 

Musiktherapietag der DMVS e.V. in Mecklenburg-Vorpommern 2006

 

Zum diesjährigen Musiktherapietag, am 16.09.2006, lud uns Cornelia Linde nach Güstrow in die dortige Tagesstätte ein.

Wir waren ein kleine gemütliche Gruppe von acht Musiktherapeuten, die nach einem Jahr nun wieder zusammenkam, um Erfahrungen auszutauschen, aktuelle Informationen zu sammeln und selbst etwas Praktisches auszuprobieren. Cornelia Linde begrüßte uns herzlich und stellte uns kurz ihre Arbeit in der Tagesstätte vor.

Das Thema für den diesjährigen Musiktherapietag hieß: Musiktherapie und Tanz mit geistig behinderten Menschen.

Bevor der erste Vortrag startete, waren wir uns einig, dass jeder einen Überblick über seine aktuelle musiktherapeutische Arbeit gibt - und dies taten wir dann auch kurz und knapp.

Kerstin Stock begann mit ihrem einfühlsamen Vortrag über ihre Arbeit mit geistig behinderten Kindern an der Musikschule in Waren. Sie berichtete über ihr musiktherapeutisches Tun und stellte uns dabei ganz verschiedene Menschen vor.

 

Nach einer kurzen Pause ging es mit dem Vortrag über die tänzerische Musiktherapie an einer Förderschule zur individuellen Lebensbewältigung von Wiebke Janssen weiter.

Sie sprach über die dortige Arbeit mit ihren Schülern und auch über Einzeltherapien, über Schwierigkeiten, Musiktherapie zu etablieren und zu akzeptieren, und über ihre Gelassenheit, den Weg zu bahnen für die Musiktherapie. Danach brauchten wir alle eine Mittagspause.

 

Am Nachmittag wurden wir alle aktiv. Cornelia Linde führte uns in ihre Arbeit ein - Tänzerische Musiktherapie als arbeitsbegleitende Maßnahme in einer Werkstatt für Behinderte, in der sie einmal wöchentlich tätig ist. Sie zeigte uns ganz einfache Tänze, die wir zusammen gestalteten. Wir tanzten nach uns bekannter und uns neuer Musik, lernten und probierten unheimlich viel aus und waren ganz begeistert von den vielen kreativen Ideen Cornelias. Am Ende tanzten wir noch gemeinsam einen Abschlusstanz.

 

Geistig angeregt und körperlich aktiviert haben wir einen guten Musiktherapietag erlebt und treffen uns alle wieder im nächsten Jahr in Waren an der dortigen Musikschule.

 

Dorit Houben

 

Bildgestalten und Natur

 

26. bis 28. Januar 2007: "Winter-Weite-Weiß und Grau"

Material: Kohle, Pastell, Ölfarbe, v. a. Deckweiß, Mattgelb, Umbra

 

14. bis 16. September 2007: "Blumen-Blätter-Licht"

Material: Pastell, Ölfarbe

 

Anliegen: Anregen lassen, gestalten, nicht abbilden!

Kursleiter: Doz. Dr. phil. habil. Christoph Schwabe

Ort: Alte Schmiede zu Vollmershain

Zeit: Freitag 18 Uhr bis Sonntag 12 Uhr

Maximalteilnehmerzahl: 10

Teilnahmegebühr: jeweils 150,- Euro

 

Anmeldung möglichst umgehend!

 

Notizen

 

Mitgliederstatistik:

Die DMVS verfügt derzeit über 298 Mitglieder.

 

Impressum

 

Die "Crossener Mitteilungen" sind das Forum für Berichte, Informationen und Diskussionen der Deutschen Musiktherapeutischen Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e. V. (DMVS e. V.) zu berufspolitischen, vereinsinternen und musiktherapeutisch-fachlichen Fragen. Sie erscheinen halbjährlich und kostenfrei für alle Mitglieder der DMVS.

 

Herausgeber: Vorstand der DMVO
Redakteurin: Antje Stolz

Redaktionsschluss: für die nächsten Crossener Mitteilungen ist der 01. Mai 07, Beiträge der Mitglieder der DMVS bis zu diesem Termin sind ausdrücklich gewünscht.

Nächste Ausgabe: erscheint im Juni 2007