Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e. V. - DMVS e. V.

Crossener Mitteilungen Nr. 25, Oktober 2007

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Es ist wieder einmal Zeit...

 

...für die Crossener Mitteilungen.

Diesmal als erstes eine großen Dank an alle, die sich Zeit genommen haben, dieses Heft mit zu gestalten.

Zeit ist ein Thema, über das sich schon so viel Menschen Gedanken gemacht haben, über das unglaublich viel gesagt und geschrieben wurde, unter vielen Aspekten.

Zeit ist etwas, von dem wir oft behaupten, wir hätten viel zu wenig davon. Und gerade deshalb habe ich Achtung vor denen, die sich Zeit nehmen für Dinge, die erst einmal anderen zugute kommen, wie z.B. diese Crossener Mitteilungen. Ich habe mich kürzlich sehr gefreut, dass ich bei einer Spezialveranstaltung Menschen wieder getroffen habe, die sich auch noch nach ihrer Ausbildung Zeit nahmen, an dieser teilzunehmen. Es tut gut, wenn Menschen sich Zeit nehmen, sich für die Vorbereitung unseres Musik- und Kunstfestivals 2008 zu engagieren, nicht nur auf Anfrage, sondern ihre Mitarbeit anbieten. Und ich denke an die viele Zeit, die die Mitglieder unseres Vorstandes aufwenden, um sich berufspolitisch für unsere Musiktherapievereinigung zu engagieren - und das meist am Wochenende und ehrenamtlich.

Sie finden in diesem Heft Berichte darüber, was mit großem Zeitaufwand alles entsteht und entstanden ist in der DMVS e.V. und an der Akademie für angewandte Musiktherapie. Sie erfahren etwas über berufspolitische Aktivitäten - mit dem Versuch, anhand der Erklärung von Abkürzungen diese Aktivitäten etwas transparenter zu machen. Wir möchten Sie über anstehende Veranstaltungen hinweisen, wie den Thüringer Musiktherapietag, das Musik- und Kunstfestival 2008 und aktuelle Spezialveranstaltungen. Genaueres zu diesen erfahren Sie auch im beiliegenden Jahresprogramm.

Frau Ulrike Haase hat sich dankenswerterweise Zeit genommen, fünf Fragen zu beantworten und Kerstin Rilke hat ein Lied zum Herbst herausgesucht (gerade weil es zu dieser Jahreszeit ja nicht ganz so viele gibt, wie z.B. zum Frühling).

Außerdem finden Sie in dieser Ausgabe zwei Berichte über Veranstaltungen, die im Sommer stattfanden - die Sommerakademie in Michaelstein und ein Treffen einer Ausbildungsgruppe, anderthalb Jahre nach ihrem Abschluss.

Vielleicht ist diese Einführung in das Heft ein Anstoß, sich Zeit zum Lesen zu nehmen und über dieses Thema wieder einmal nachzudenken.

 

Antje Stolz

 

"Fünf Fragen an... Ulrike Haase"

 

  1. Du leitest seit Januar 2006 die Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen. Aber nun bist Du ja nicht immer Lehrmusiktherapeutin gewesen. Kannst Du ein bisschen den Weg bis dahin beschreiben?

     

    Mein Lebensweg war immer mit der Musik verbunden, auch wenn er sich, äußerlich gesehen, zu mancher Zeit von ihr entfernt hat. Dass ich bei der Musiktherapie gelandet bin, ist keine Folge einer geradlinigen Entwicklung vom Abitur zum Beruf hin, sondern eher eine Folge von interessanten "Umwegen", für die ich rückblickend dankbar bin und die ich, trotz mancher Schwierigkeiten nicht missen möchte. Bei uns zu Hause wurde immer musiziert und gesungen. Schon mit 3 Jahren habe ich mir auf dem "Hajomum" (Harmonium), das meine Eltern anstelle eines Klaviers anfangs besaßen, die Melodien von Kinderliedern selbst zusammengesucht. Mit 7 Jahren bekam ich Klavierunterricht bei Fräulein Engel, und ich fand es himmlisch, dass sie jedes Jahr am 1. Advent eine Musizierstunde veranstaltete, bei der eine riesige Kapelle aus erzgebirgischen Engeln auf dem Flügel stand. Uns kleinen Mädchen gefiel es besonders, dass wir dabei mit den großen Jungs vierhändig spielen durften, und wir schwärmten sie an.

     

    Von der 7. Klasse an, besuchte ich die Spezialschule für Musik in Dresden, wo ich mich, vor allem in meiner Klasse mit den vielen musikbegeisterten Schülern, sehr wohl fühlte, wo ich mich aber von Seiten mancher Lehrkräfte einem zunehmenden mobbing ausgesetzt sah, weil ich mit meiner politischen Meinung nicht hinterm Berg hielt. Das führte bis zum Rausschmiss aus angeblich fachlichen Gründen, der für mich traumatisch war und an dessen Folgen ich noch eine ganze Weile zu leiden hatte. Zum Glück bekam ich genau in dieser Zeit das Angebot, bei unserem Kantor, der gleichzeitig Chef der Kirchenmusikschule war, Orgelunterricht zu nehmen. Ich war begeistert und lernte schnell, so dass ich bald die Urlaubsvertretung für alle Orgeldienste übernehmen konnte und auch Konzerte gab.

    Ich war inzwischen auf die Kreuzschule gewechselt, und die Kirchenmusik begann eine immer größere Faszination auf mich auszuüben, so dass mein Berufswunsch nach dem Abi feststand: Kirchenmusikerin. Leider stieß ich damit in meiner Familie auf keine Gegenliebe; sie wollten mir in bester Absicht diesen "Hungerberuf" in der DDR ersparen.

    Ich setzte mich nicht durch und begann 1971 an der Uni in Leipzig Physik zu studieren. Gleichzeitig nahm ich bis zum Ende des Studiums an der Musikhochschule Orgelunterricht.

     

    Da ich meine Diplomarbeit in der Fachrichtung Geophysik, Bereich Ozeanologie, geschrieben hatte, versuchte ich in dieser Richtung eine Arbeitsstelle an der Küste zu finden. Dies scheiterte wiederum an meiner Kompromisslosigkeit in politischen Dingen, und ich musste eine Stelle annehmen, die bei der Vermittlung noch übrig war, an der Akademie der Wissenschaften der DDR, Institut für Technologie der Polymere, in Dresden. Das war nun überhaupt nicht mein Traum gewesen: als wissenschaftliche Mitarbeiterin den Spinnprozess von Kunstfasern mathematisch-physikalisch zu modellieren. Zum Glück waren es auch hier die Menschen, die mir das Institutsleben erträglich, ja sogar angenehm, machten, denn wir hatten mit vier sangesfreudigen Mitarbeitern ein Quartett gegründet und sangen jeden Mittag im Kultursaal eine halbe Stunde Lieder und Madrigale. Anfangs wurde das natürlich von einigen Leuten beargwöhnt, nachdem wir aber dann die Flucht nach vorn angetreten und dem Direktor, Genossen Prof. Rätzsch, zu seinem 50. ein Ständchen gesungen hatten, waren wir wohlgelitten. Zu der Zeit im Forschungsinstitut sei noch angemerkt, dass ich, inzwischen Mutter zweier Kinder, wie jeder Kollege, morgens um 6.40 Uhr am Schreibtisch sein musste und die erste Forschungsidee aufs Papier bringen sollte (was meines Wissens keiner tat, stattdessen machte die Kaffeeküche guten Umsatz). Arbeiten mussten wir aber doch intensiv und vor allem viele Berichte darüber schreiben.

    Nach einer Pause, anschließend an die Geburt meines dritten Kindes, musste ich mich entscheiden: entweder wieder voll arbeiten oder die Stelle aufgeben. Teilzeitarbeit gab es nicht. Ich entschied mich zugunsten meiner Kinder und gab die Stelle auf. Ich merkte, dass es für mich an der Zeit war, von der Physik beruflich Abschied zu nehmen und mich wieder mehr der Musik zuzuwenden.

     

    So machte ich, inzwischen ziemlich klavier- und orgelentwöhnt, mit Herzklopfen die Aufnahmeprüfung für eine Ausbildung als nebenberufliche Klavierpädagogin, die ich auch bestand. Meine Ausbildung begann im Herbst 1989, und während wir oben eine Klausur über den "Bitterfelder Weg" der Kulturpolitik schrieben, liefen unten am Haus die Demonstranten vorbei… Im Zuge der Ausbildung begannen mich zunehmend pädagogisch-psychologische Fragestellungen zu interessieren, und ich belegte auf eigene Faust die Psychologievorlesung an der Musikhochschule bei Dr. Schwabe. Hier schwante mir langsam, wohin mich mein Weg wohl zukünftig führen wird. Zwar hatte ich inzwischen eine ganze Menge Klavierschüler, aber ich wusste, dass ich dabei nicht bleiben will. Ich fuhr zu Musiktherapieausbildungswochen und nahm an der Ausbildung in "Musikalischer Elementarerziehung" an der Musikhochschule teil. An der 1992 gegründeten Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen belegte ich den ersten Ausbildungsgang in Musikalischer Elementarerziehung und wusste nun, dass ich mich auf dem Gebiet der Musiktherapie weiter bilden und entwickeln möchte. Die Ausbildungskosten verdiente ich mir mit einer Stelle als Putzfrau in dem Büro einer Chemiefirma, die nach der Wende als eine der ersten in den Osten expandiert war. Ich fand es eine interessante Erfahrung zu erleben, wie man behandelt wird, wenn man nicht hinter dem Schreibtisch sitzt, sondern unter dem Schreibtisch putzt…

    Und nun bin ich schon fast in der Gegenwart angelangt. Meine erste Ausbildungsgruppe leitete ich in Crossen in einer Art Neulehrersituation. Ich habe einige Jahre gebraucht, bis ich mich sicher fühlte, aber ich wusste von Anfang an, dass ich dranbleiben will und dass das genau die Arbeit ist, die ich machen will und die mich erfüllt. Heute bin ich glücklich und dankbar über meinen Beruf, und mir kommen durchaus Dinge zugute, die ich in meinem früheren Studien- und Berufsleben gelernt und entwickelt habe, vor allem bei Denk- und Problemlösungsstrategien.

     

  2. Ein Bild von Dir hier abzudrucken, ist eigentlich fast überflüssig, weil fast jeder, der bei uns Ausbildung gemacht hat, diese zumindest zu einem Teil bei Dir absolviert hat. Weißt Du in etwa, wie viele Menschen das eigentlich sind und kannst Du Dich an alle auch noch erinnern?

     

    Es sind mehr als 150 Leute, die ich zwei oder drei Jahre in der Ausbildung begleitet habe. Und weil sich dabei nicht nur die fachliche Kompetenz entwickelt hat, sondern es bei vielen eine Zeit intensiver persönlicher Entwicklung gewesen ist, sind mir viele der Teilnehmer innerlich noch sehr gegenwärtig. An die meisten habe ich sehr gute Erinnerungen, und ich freue mich, wenn ich die eine oder den anderen zu Tagungen oder Veranstaltungen wieder treffe.

     

  3. Gibt es etwas, von dem Du sagst, dass Du es am meisten an Deiner Arbeit als Lehrmusiktherapeutin in der Ausbildung magst?

     

    Es ist das, was ich schon bei Frage 2 geschrieben habe: die Verbindung von fachlicher und persönlicher Entwicklung, von Geist und Herz, auf der die Ausbildung fußt; es sind die Gestaltungsspielräume, die wir als privatrechtliche Ausbildung haben; es ist die Einmaligkeit jeder Ausbildungsgruppe und die sich doch darin ereignenden ähnlichen Gesetzmäßigkeiten.

    Mir gefällt es, dass es keine Routine und schon gar nicht Langeweile in den Berufsjahren gibt, und ich freue mich, mit sehr engagierten Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten.

    Nicht zu vergessen das freitägliche Schnitzel beim Wirt…

     

  4. Die Tatsache, dass Du viel am Wochenende arbeitest, wenn die meisten Menschen ja ihre Freizeit genießen, hat sicherlich auch Auswirkungen auf Dein Privatleben...

     

    Ja, das ist der Tribut, den ich für die vielen Vorzüge in meiner Arbeit leisten muss. Ich sehe die Freunde und die Familie seltener, muss auf manche Veranstaltung verzichten, zu der ich gern gegangen wäre und muss lernen, in der Woche Sonntag zu spielen, damit es Ruhezeiten gibt und der Arbeitsrhythmus nicht atemlos wird.

     

  5. Ja und zum Schluss eine ganz einfache, schwere Frage - was hast Du in den nächsten fünf Jahren vor?

     

    Ich möchte meine Zeit zwischen Aktivität und Ruhe, zwischen Tun und Lassen, noch besser strukturieren lernen, möchte mir mehr Muße zum Malen, Musizieren, Lesen, Natur-Genießen, für die Zweisamkeit und für Gespräche mit gutem Gewissen gönnen können. Dass die Lust an der Arbeit erhalten bleibt, davon gehe ich aus.

    Ja, und es geht ja nicht nur darum, was ich in den nächsten fünf Jahren vorhabe, sondern, was das Leben mit mir vorhat. Da kann ich mich nur überraschen lassen…

 

es fragte Antje Stolz

 

Abkürzungsdschungel in musiktherapeutischen Gremien - der Versuch, etwas Licht ins Dunkel zu bringen

 

Liest man derzeit Berichte aus diversen Gremien der Musiktherapie in Deutschland, findet man Insiderbegriffe wie BAG MT, SAMT, AG DRG FKT, KTL oder OPS (und das ist nur eine kleine Auswahl).

Was das alles bedeutet? Hinter all diesen Abkürzungen steht jedenfalls viel Arbeit, Menschen beschäftigen sich mit der berufspolitischen Entwicklung der Musiktherapie, ringen um Anerkennung dieser im Gesundheitssystem in Deutschland. An den meisten dieser Aktivitäten beteiligt sich die DMVS (schon wieder eine Abkürzung - für alle, die mit dem "neuen" Namen noch Schwierigkeiten haben: Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe) mit großem Zeit- und Arbeitsaufwand seitens des Vorstandes. Dazu gesagt werden muss aber auch, dass es in den verschiedenen Gremien ein ständiges Ringen um Kompromisse und Lösungen gibt, die die Vielfältigkeit der musiktherapeutischen Richtungen mit sich bringt. So sind wir z. B. mit dem Begriff und dem Berufsbild des "künstlerischen Therapeuten" nicht zufrieden, da das Spezifische von Musiktherapie dort nicht deutlich genug zum Ausdruck kommt. Andere Bestrebungen, wie z. B. die Erstellung von Leitlinien für Musiktherapie im klinischen Bereich unterstützen wir durch unsere Mitarbeit, obwohl es für unsere Mitglieder wenig relevant ist, da von unseren Absolventen 85-90% im außermedizinischen Bereich arbeiten.

Nun aber zum Versuch, die Abkürzungen zu erklären:

 

BAG MT - Bundesarbeitsgemeinschaft Musiktherapie

 

SAMT - Ständige Ausbildungsleiter-Konferenz Musiktherapie

 

AG DRG FKT - Arbeitsgemeinschaft Diagnosis Related Groups Fachgesellschaften Künstlerischer Therapien

 

KTL - Klassifikation Therapeutischer Leistungen in der medizinischen Rehabilitation

 

OPS - Operationen- und Prozedurenschlüssel

 

Ich hoffe, die Erklärungen helfen weiter, vor allem wenn diese Ihnen im Arbeitsalltag oder beim Lesen von Fachzeitschriften und -büchern begegnen.

 

Antje Stolz

 

Wiedersehen nach 1 1/2 Jahren - ein Ehemaligentreffen der anderen Art

 

Eineinhalb Jahre nach Beendigung unserer SMT-Ausbildung in Klosterlausnitz trafen wir, die Musiktherapeuten/Innen des Jahrgangs 2003, uns vom 07.09. bis 09.09.2007 in Rothen. Der verträumte Ort liegt in Mecklenburg-Vorpommern, und wir bewohnten dort das schöne Gutshaus.

Dass nur sechs der fünfzehn "Ehemaligen" anreisten, war zwar schade, trübte die Stimmung aber nicht. Auch unsere Lehrmusiktherapeutinnen Ulrike Haase, Kerstin Rilke und Antje Stolz hatten sich auf den weiten Weg gemacht. Die Wiedersehensfreude war groß!

Beim Sitzen am Lagerfeuer, gemeinsamen Singen, Tanzen, Improvisieren, Supervidieren und in vielen Gesprächen spürten wir die Vertrautheit, die während der drei Jahre unserer Ausbildung gewachsen war, sofort wieder.

Es war ein sehr intensives und schönes Wochenende mit alter und neuer Vertrautheit, Erinnerungen, neuen Erfahrungen, Auffrischung von lang nicht Gehörten und viel Spaß in toller Umgebung, eben keine Ausbildung mehr - nicht einfach ein Klassentreffen, sondern etwas ganz Besonderes!

Wir hatten den Eindruck noch ein Stückchen näher gerückt zu sein und freuen uns auf das Wiedersehen vielleicht im nächsten Jahr.

Nochmals vielen Dank an Conny und Wiebke für die Organisation!

 

Katrin Oste - Arbeitet an der Stärkung und qualitativen Verbesserung der privatrechtlichen Ausbildungen in Deutschland

 

Sommerakademie Bildgestalten im Kloster Michaelstein/ Harz vom 21. - 25. August 2007

 

Ende August trafen sich im Kloster Michaelstein 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur zweiten Sommerakademie. An fünf Tagen sollte es um Bildgestalten gehen, aber auch um klösterliche Ruhe und Ferien an einem idyllischen und besonderen Ort mitten im Harz. Gekommen waren einige, die schon bei der ersten Sommerakademie im vergangenen Jahr dabei gewesen sind und sich "seit einem Jahr auf diese Woche gefreut haben", einige angehende Musiktherapeuten, die erste Erfahrungen mit dem Bildgestalten machen wollten, und auch Teilnehmer, die ohne musiktherapeutischen Hintergrund an dem Thema interessiert waren.

 

Für diejenigen, die im Kloster wohnten, waren es lange, gemeinsame Tage, die durchaus etwas von Mönchs- oder Nonnenleben hatten. Gemeinsame Mahlzeiten, Beginn am Morgen mit einem gemeinsamen Hineinsingen in den Tag im klangwohligen Kapitelsaal am Kreuzgang; die gemeinsamen Arbeitseinheiten natürlich am Vor- und am Nachmittag, eine Abendrunde um den Steintisch am Kreuzgang und last but not least - die von Ulrike Haase gestaltete abendliche Lesestunde mit Thomas Rosenlöchers Harzreise "Die Wiederentdeckung des Gehens beim Wandern" und anschließenden Gesprächen oder manchen Liedern bei einem Glas Wein.

 

Thematischer Ausgangspunkt des bildnerische Arbeitens war "Die Auflösung des Strichs und deren Folgen". Mit den Schwerpunkttechniken und Materialien des Kritzelns, der Pastell- und ölkreide, der Kohle und der Arbeit mit ölfarbe kamen wir Teilnehmer immer wieder mit diesem Thema in Berührung.

Christoph Schwabe und Ulrike Haase verstanden es als Leiter der Woche Sicherheit durch Anleitung in Techniken, in Bild - oder Motivbetrachtung zu vermitteln, aber auch Freiräume für eigenes Erkunden von Technik und Ausdruck zu schaffen.

So fing etwa das gemeinsame Betrachten eines üppig blühenden Rosenbusches an der Mauer des Kreuzgangs an, unseren Blick neu zu schärfen. Gemeinsame Aktivitäten in der Gruppe - wie etwa das Betrachten und Besprechen fertiger Werke - wurden von Christoph Schwabe und Ulrike Haase zunächst initiiert und wurden dann immer mehr ganz selbstverständliches Miteinander-Umgehen in der Gruppe.

 

Christoph Schwabe war auch mit der Frage nach Michaelstein gekommen, was von so einer Gruppe ausgehen kann, was in ihr und darüber hinaus entstehen kann. Diese Fragen und auch die weiterführenden überlegungen zur Position des Bildgestaltens im musiktherapeutischen Konzept sollten in der Abschlussrunde des letzten Tages berücksichtigt werden , fanden dann aber wegen vieler wichtiger Rückmeldungen zum Erleben der Woche wenig Platz.

Vielleicht hat der eine oder die andere weiter darüber nachgedacht, oder eine Gruppe im nächsten Jahr wird den Faden wieder aufgreifen.

Ich bin mit einem wunderbar nach ölfarben duftenden Auto voller Schätze und mit vielen über die Zeit hinausreichenden Erlebnissen und Erfahrungen wieder nach Hause gefahren.

 

Gudrun Anders