Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e. V. - DMVS e. V.

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Bilder zum 25jährigen Jubiläum der Akademie zur angewandten Musiktherapie Crossen 2017

Bilder zum 25jährigen Jubiläum der Akademie zur angewandten Musiktherapie Crossen 2017

 

9. Symposium künstlerischer Therapien in der Altenarbeit 2016 - Die Intermedialität des Therapeuten

 

Bildergalerie zum 9. Symposium künstlerischer Therapien in der Altenarbeit 2016 in Bad Klosterlausnitz

 

Das Symposium vermittelte zahlreiche Einblicke in die Arbeit künstlerischer Therapeuten im Bereich der Altenarbeit. Die Frage, inwieweit Therapeuten in der Lage sind, die selbst gesteckten Grenzen zwischen den unterschiedlichen „Künsten“ zu erweitern oder gar aufzulösen, um im Dienste ihrer Klienten flexibel auf deren Bedürfnisse einzugehen, stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Antworten darauf oder Ideen kamen jedoch nur von einem Teil der ReferentInnen. Es lohnt sich also, dieser Frage auch bei weiteren Veranstaltungen nachzugehen.

 

Der Begründer der Musiktherapie in Deutschland Dr. Christoph Schwabe war gebeten worden, beim Symposium den Hauptvortrag zu halten. Leider konnte er das aus Krankheitsgründen nicht tun. Jedoch konnte ein Video mit ihm aufgenommen werden, in dem er anhand von Fragen, die ihm Ulrike Haase, Leiterin der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen stellt, Einblicke in seinen persönlichen und fachlichen Entwicklungsweg gibt.
Sie stehen unter dem Thema:
„Rückblick eines Nicht-Spezialisten“
Intermediale Veranlagung und hochspezialisierte Leistungsgesellschaft

 

Interview mit Christoph Schwabe Interview mit Christoph Schwabe

 

Interview zum 9. Symposium künstlerischer Therapien in der Altenarbeit 2016 in Bad Klosterlausnitz


 

Er-ziehung oder Be-ziehung
8. Tagung der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen und der DMVS e.V. zu einem Brennpunktthema
Wie reagieren Therapie und Pädagogik auf „schwierige Kinder“?

 

An diesem Wochenende spannte sich ein weiter Bogen vom Bildschock zum Filmerlebnis, vom Vortrag über die ADHS-Gesellschaft von Herrn Prof. Türcke zum Lied über „Schwierige Kinder“ von Matthias Trommler. Wer ist eigentlich schwierig? Sind Kinder nicht ein Spiegel der Gesellschaft?
Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern sind eher ernüchternd und doch gibt es einzelne Bestrebungen, der einseitigen Förderung und Uniformierung von Kindern zu begegnen und ein Umdenken anzuregen. Das konnte man in den verschiedensten Vorträgen an diesem Wochenende erleben, z.B. im Vortrag von Herrn Diskowski, der im Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Einfluss auf die Umgestaltung der Erzieherausbildung nimmt. Die veränderte kindliche Lebenswelt erfordert andere Herangehensweisen, die Natascha Unfried, Antje Stolz, Marlies Pfeiffer und Franziska Herrmann, auf ihren Tätigkeitsbereich bezogen, ansprachen. In den beiden Symposien am Samstag wurden Einzelbeispiele aus dem therapeutischem und pädagogischem Umfeld vorgestellt, wie und wo trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen Möglichkeiten für dem Kind zugewandten Handelns vorhanden sind, aber auch wo es Grenzen gibt.
Nach den anregenden und intensiven Vorträgen konnte man am Samstagabend Musik erleben: z.B. Kammermusikalisches auf der Theorbe, der Violine und mit Gesang, oder mit dem jungen freien Orchester aus Jena, das uns in die Filmmusik entführte. Andere kulturelle Einlagen waren der Damenchor unter der Leitung von Kerstin Rilke, die Coverversion der 3 Gäns im Haberstroh, die Begegnung mit Edeltraud Wirsing, die das Konzept des Topfens mit Musik propagierte oder auch die kurzen humorvollen Geschichten von Ulf Gladis.
Die abschließende Podiumsdiskussion am Sonntag, nachdem Filmausschnitte aus „Erzieherin: Beruf oder Berufung“ von Kurt Gerwig gezeigt wurden, verdeutlichte, wie wichtig es ist, sich der Person zuzuwenden. Damit ist natürlich die Kinderpersönlichkeit, aber auch die der pädagogischen oder therapeutischen Bezugsperson gemeint. Andere einladen, ermutigen und inspirieren – ein Fazit, mit dem selbst inspiriert viele Tagungsteilnehmer nach Hause fuhren.

Sabine Schenke, Limbach-Oberfrohna

 

Das Symposium I: Erfahrungen mit „schwierigen Kindern“ in der ambulanten und stationären Therapie wurde durch vier beeindruckende Vorträge bestimmt. Antje Stolz stellte in ihrem Referat Möglichkeiten musiktherapeutischer Diagnostik, als qualitative Ergänzung zu „klassischen“ Diagnoseinstrumenten vor. Tolles Ergebnis: Es fanden sich sofort Interessenten, welche in Form eines neuen Arbeitskreises „Musiktherapeutische Diagnostik“ die Inhalte aufgreifen und weiterführen möchten.
Darauf folgte ein sehr persönlicher und anschaulicher Vortrag von Paula Müller über ihre musiktherapeutischen Erfahrungen während ihrer Praktikumszeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die beiden folgenden Beiträge verdeutlichten in beeindruckender Art Erfahrungen, Belastungen und Erfolge in der therapeutischen Arbeit mit „schwierigen“ Kindern: Silke Klemm als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin berichtete in einem Fallbericht über die Langzeittherapie eines anfangs „schwer therapierbaren“ Kindes, und Anke Parybyk-Landes sprach über die therapeutische Begleitung eines Kindes mit Asperger-Syndrom. Beide Referentinnen stellten ähnlich wie Paula Müller eindrücklich dar, wie wichtig bei der therapeutischen Arbeit die Beziehungsgestaltung ist und welche Erfolge sich zeigen können, wenn man den Kindern „auf Augenhöhe“ begegnet, sie und ihr „störendes“ Verhalten im Sinne von Signalen ernst nimmt. Auch wurde hierbei deutlich, welche Potenz unser Musiktherapiekonzept durch die Betonung der Beziehungsgestaltung und der Wahrnehmung hat.

Gerhard Landes, Jena

 

Im Symposium 2 - Erfahrungen mit „schwierigen Kindern“ im pädagogischen Bereich, berichteten fünf sehr kompetente Musiktherapeutinnen aus ihrer Arbeit. Die Beiträge berichteten von der Arbeit mit Kindern im frühen Kindesalter bis hin zur Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Konkret beschrieben die Vorträge das Gruppensingen in einer Kindergartengruppe (Ute Haesner), eine Einzelbegegnung mit einem Jungen, der bereits sein Stigma hatte, (Delia Lengwinat) des weiteren den Umgang mit „Störungen“ im Musikunterricht (Sabine Schenke) bis hin zum Erarbeiten eines Musiktheaterprojektes und dem damit verbundenen außergewöhnlichen Prozess. (Franziska Pfaff, Janina Howitz)
In allen Berichten wurde immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, die eigene Person zu reflektieren, das Gegenüber und sich selbst wahrzunehmen, Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen aufzubringen, um mit Empathie und Authentizität den Kindern gegenüber zu treten. Lernen kann gelingen, wenn die Neugier bei Kindern geweckt ist und zum Tragen kommen kann; aber auch, wenn die Ressourcen der Kinder gesehen und Störungen als ein Signal verstanden werden, Kinder als ein Gegenüber ernst zu nehmen.
Dieser Nachmittag hat Mut gemacht und gezeigt, dass fachlicher Austausch im Miteinander sehr wichtig ist, auch um sich zu stärken. Man muss nicht als Einzelkämpfer dastehen und braucht nicht die ganze Welt zu retten. Aber man kann da sein für die anvertrauten Kinder und Jugendlichen.

Kerstin Rilke, Schleiz

 

7. Wissenschaftliche Tagung 2011
"Musiktherapie für Menschen mit geistiger Behinderung im Spannungsfeld zwischen Psychotherapie, Förderung und Betreuung"

 

Mein Tagungs-Tagebuch

 

Freitag, 20. Mai

Gute acht Stunden Autobahn - erstaunlich leer am Freitag - dank „Navi-ator“ habe ich schnell und stressfrei das Quartier gefunden - weit abseits und mitten in traumhafter Wiesenlandschaft - Heimatgefühle werden wach. Verblichene LPG-Reiterhof-Romantik erwartet mich- nicht mehr und nicht weniger. Der Anschluss wurde wohl hier vor Jahren verpasst! Schade! In geübter Gelassenheit schaue ich darüber hinweg und traue meinen Augen nicht: Ein Fuchs quert gemütlich den Platz, schaut mich an und ist in keinster Weise erstaunt (im Gegensatz zu mir). Erster Schreck - dann langsames entspannen!
Dank des schon erwähnten „Navis“ habe ich kein Problem den weiter entfernten Tagungsort zu orten und auch zu finden. Es gibt ein freudiges Wiedersehen mit alten Bekannten und ein gespanntes hineintauchen in eine fremde und doch so vertraute Gemeinschaft.
Im Laufe des ersten Vortages wird mir schnell klar: Ich bin angekommen! Ich fühle mich wohl und irgendwie daheim. Darüber hinaus lausche ich einem sehr berührenden Bericht von Herrn Dr. Trogisch über den „Katharinenhof“ , seine schwere Pionierarbeit unter dem Druck einer mir wohl bekannten Diktatur! Obwohl mir bald klar gemacht wird, dass es völlig egal ist ob Diktatur oder Demokratie: „Fortschritt entsteht immer in der Illegalität!“ – ein bemerkeswerter Satz.
Freitag abend: Ausstellungseröffnung mit Bildern von Künstlern aus Lobetal; erwartungsvolle Augen, stolze Gesten, bunte Farben, erstaunliche Kompositionen, einzigartige Persönlichkeiten. Ich sehe später, dass die Bilder von Günther Krug aus weiter Entfernung erst ihre ganze Wirkung erzielen, wogegen man bei Detlef von Dossows Werken ganz genau hinschauen muß und auf diese Weise immer wieder etwas Neues entdecken kann- faszinierend.
Der erste Abend klingt aus bei geselligem Beisammensein und dem knüpfen erster zaghafter Kontakte unter den Tagungsgästen.

 

Samstag, 21. Mai

Ein straffes Tagesprogramm erwartet mich. Ich bin neugierig und gespannt und hoffe, dass ich alles aufmerksam verfolgen werde; dass ich nichts verpasse, dass meine Gedanken keine Flügel bekommen und nicht abschweifen hinaus zu den blühenden Bäumen vor den Fenstern (was ich zweifellos an solch einem langem Sitzungs-Tag von mir erwarte). Aber ich bin überrascht, wie wach und munter mich die verschiedensten Vorträge halten! Ich höre- stimme zu- bin verwundert- erkenne vieles wieder und lehne mich teilweise entspannt zurück. Hier ein paar Details:

 

Inwieweit dieses in die Praxis umsetzbar oder schon umgesetzt ist, wurde in der Podiumsdiskussion am Nachmittag lebhaft diskutiert. Der Kostenträger will Resultate! Zielorientierung – ein Reizwort! Es geht immer mehr um gut abrechenbare, vorzeigbare und klar definierte Therapie-Erfolge. Wie aber kann man zu Beginn einer Therapie sagen, was am Ende steht, wenn es überhaupt ein „Ende“ gibt?

 

 

Sonntag, 22. Mai

 

Abschied - die Hoffnung, auf ein baldiges Wiedersehen - Umarmungen - oder zumindest ein fernes Anlächeln als kleines Zeichen der minimalistischen Verbundenheit - entstanden aus diesen vergangenen gemeinsam verbrachten Stunden und dem wohltuenden Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Abfahrt - im Kofferraum Kiloweise Beelitzer Spargel - der soll der Beste sein! - erstanden vor einer ehemaligen Russenkaserne, die in mir immer noch Erinnerungen an vergangene Zeiten hervorruft- trotz ihrer verwahrlosten Verlassenheit! Zum Abschied springt mir noch ein Hase vor das Auto. Ich verabschiede mich von dem Ort, wo sich offenbar auch „Fuchs und Hase“ Gute Nacht sagen.
Ich bin erfüllt und glücklich, dabei gewesen zu sein. Voller Eindrücke trete ich die Heimreise an!
Allerdings: Einen „Maulwurf“ habe ich nicht gesehen!…

 

Sabine Beese, Musiktherapeutin ÖBM, Musikerin, Pädagogin,
Angestellt am Ambulatorium der Lebenshilfe Salzburg für Menschen mit geistiger Behinderung, am Kardinal Schwarzenberg´schen Krankenhaus Schwarzach/Pongau auf der Akut-Psychiatrie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Lehrbeauftragte am Mozarteum Salzburg,
geboren in Halle an der Saale, lebt seit 20 Jahren in Österreich

 

6. Wissenschaftliche Tagung 2009
"Wahrnehmen, Wahrnehmungsreflexion, Wahrnehmungsverständnis – universelle oder spezifisch musik-therapeutische Prinzipien?"

 

Erlebnisbericht

 

Offen und neugierig fuhr ich zur Tagung „Wahrnehmen, Wahrnehmungsreflexion, Wahrnehmungsverständnis...". Und ich erlebte die Tage, die Beiträge, dort ganz gegenwärtig, im Schnittpunkt von Vergangenem und Künftigem, nach Kierkegaard: das Leben „vorwärts lebend", es aber „rückwärts verstehend".

 

Äußerten sich doch unter den Referenten verschiedener Bereiche auch die Väter der Regulativen Musiktherapie (RMT) Dr. Christoph Schwabe, Dr. Helmut Röhrborn und Axel Reinhardt sowie jahrzehntelang wirkende Wegbegleiter wie Prof. Dr. Michael Geyer und Dr. Hans-Joachim Maaz und zeigte sich zugleich die Aktualität und das in die Zukunft weisende Potenzial ihrer Positionen.

 

Die Chefärztin der Klinik und Tagungsstätte Frau Dr. Petra Krombholz nannte in herzlichen Begrüßungsworten Wahrnehmungen „Fenster zur Welt". Dr. Christof Nachtigall, Diplom-Mathematiker und -Psychologe der Universität Jena, beschrieb Wahrnehmen als aktiven Prozess des Konstruierens, bei dem Kategorisierungsvorgänge effektiv und zugleich verfälschend wirken, womit verantwortlich umzugehen ist. Einer Sache Aufmerksamkeit widmen in ursächlicher Bedeutung meint keine selektive, bewertende Sicht. Hans-Joachim Maaz stellte seine Auffassungen von Zusammenhängen zwischen individuellen Mütterlichkeits- und Väterlichkeitsstörungen und auch kollektiven Wahrnehmungsstörungen dar.

 

So bietet sich Wahrnehmung als zentraler Begriff und als Bindeglied zwischen den Therapien und Schulen an, gerade wenn Michael Geyer pointiert feststellt, es gäbe nicht gute oder schlechte Psychotherapie-Methoden, sondern nur gute oder schlechte Psychotherapeuten. Das im Prinzip der RMT erfasste akzeptierend differenzierende Wahrnehmen von Angenehmem und Unangenehmem weist wohl mehr Nähe zu Ursprünglichem auf als zu Modeströmungen, etwa oberflächlichen Erklärungen von „Achtsamkeit" (erhellend die Auseinandersetzung damit in Axel Reinhardts Beitrag und interessant die von Rina Rumler-Kim hergestellten inhaltlichen Bezüge zur Vipassana-Meditation im Buddhismus).

 

Wenn im hochkomplexen Prozess der Psychotherapie zur Beförderung seelischer Gesundheit Bewegung ins System gebracht werden muss (Michael Geyer), so können gerade in der RMT im Wahrnehmungsraum Musik entsprechende Affekte ausgelöst und reguliert werden, in pendelnder Aufmerksamkeit zwischen innen und außen (Ulrike Haase).

 

Edith Geiger und Carola Maack beschrieben als Vertreterinnen des GIM nach Helen Bonny die verbale Begleitung im laufenden Wahrnehmungsprozess; in der RMT äußert sich der Patient erst im Nachhinein in emotional-kognitiver Betrachtungsweise (auf das Gebot, nicht vorschnell zu deuten, zu interpretieren wurde mehrfach verwiesen). Interessant wäre weiterer Austausch aus verschiedenen Blickrichtungen, wie im Podiumsgespräch dazu angeregt. Motivierend wirkten auf mich in Bad Klosterlausnitz wissenschaftliche und Erlebnis-Berichte und natürlich Musik, konsumiert und produziert. Ein besonderes Dankeschön an Matthias Trommler und die neuen Kammermusikanten!

 

Dr. Christine Adler,
Musiktherapeutin (DMVS) am Asklepios Fachklinikum Wiesen

 

"Schlage die Trommel und fürchte Dich nicht…"
Wunsch und Wirklichkeit musiktherapeutischer Arbeit auf dem 7. Sächsischen Musiktherapietag in Görlitz

 

Dr. med. Hans–Martin RotheUnter dem Motto "Auf der Suche nach dem rechten Platz" fand vom 31.10. – 01.11.2008 im Städtischen Klinikum Görlitz der 7. Sächsische Musiktherapietag statt. Die Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e.V. ( DMVS e.V.) hatte zu dieser Tagung in das sorgfältig sanierte Gründerzeitgebäude des Klinikums eingeladen und mehr als fünfzig haupt- und nebenberuflich musiktherapeutisch Tätige kamen, um breitgefächerte Erfahrungen aus ihrer Praxis miteinander auszutauschen. Gastgeber war das multiprofessionelle Team der dortigen Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie unter Leitung von Dr. med. Hans–Martin Rothe.

 

Nach den Grußworten von Veranstalter und Gastgeber schritt Christoph Schwabe in seinem Vortrag zunächst die – wie er sagte - "Wegmarken" der wissenschaftlichen Entwicklung dieser Musiktherapieform ab, die seit jeher eng an Praxis mit ihren bestimmten institutionellen Bedingungen gekoppelt war und ist. So entstand die Musiktherapie nach Schwabe in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts an der Abteilung für Psychotherapie und Neurosenforschung der Psychiatrischen Klinik des Universitätsklinikums Leipzig. Den Rahmen dafür bildeten in einer für damalige DDR-Verhältnisse seltenen Synthese ein interdisziplinäres Forscher- und Therapeutenteam unter der Leitung von Christa Kohler, welches in Auseinandersetzung mit den erstarrten materialistischen Positionen einerseits und dem zugänglichen Quellenmaterial der psychoanalytischen Schulen andererseits eine richtungweisende, zunächst einheitliche Psychotherapiekonzeption mit eigenständigen, erkenntnistheoretisch fundierten Grundsätzen entwickelte. Kernstück der Musiktherapie nach Schwabe ist das sogenannte Kausalitätsprinzip, das dem musiktherapeutischen Handeln zugrunde liegt, nämlich:

 

Das Besondere daran sei,Christoph Schwabe so Schwabe, dass der von Anfang an schulenübergreifende Charakter des Konzepts seinen Einsatz nicht nur im klinischen Bereich ermöglicht, in dem es seinerseits entwickelt wurde, sondern dass sich seine Anwendungsgebiete mittlerweile bis in den sozialen, pädagogischen und präventiven Bereich hinein entwickelt haben. Am Ende seiner immer wieder mit biographischen Erfahrungen und beruflichen Herausforderungen verknüpften Ausführungen charakterisierte Christoph Schwabe den Beruf des Musiktherapeuten als einen Drahtseilakt, der – weder in ärztliche noch in pflegerische Hierarchien eingebunden - besondere Sensibilität, Anpassungsvermögen, angemessenes Selbstbewusstsein und vor allem ein solides "Handwerk" verlange, für das Supervision besonders wichtig sei. Gleichzeitig mahnte er, sich nicht in ärztliche Befugnisse einzumischen und die eigenen Erwartungen an Akzeptanz nicht zu überschätzen.

 

Der Aspekt der multiprofessionellen Teamarbeit Frau Prof. Dr. Susanne Metznerwurde durch zwei weitere Referate von verschiedenen Seiten beleuchtet. Unter dem Titel "Unmöglich nicht verwirrt zu sein" erläuterte Frau Prof. Dr. Susanne Metzner, Magdeburg, anhand eines Fallbeispiels das Bestreben eines psychodynamisch arbeitenden Teams, therapeutische Interventionen so aufeinander abzustimmen, dass zwischen Patient, Angehörigen und Therapeuten eine Art soziales Netzwerk entsteht. Die dabei auftretenden Störungen könnten, so Metzner, gewissermaßen als "Reinszenierung", häufig Aufschluss auch über die intrapsychischen "Verwirrungen" des Klienten geben und deren heilsame Bearbeitung erleichtern. Der Eigenwert der Musiktherapie als nonverbale Kommunikation wurde in diesem Zusammenhang nicht nur für die Behandlung, sondern ebenso für die Diagnostik von Störungen innerhalb dieses Systems hervorgehoben.

 

Den Heimvorteil des unmittelbar Anschaulichen nutzte das therapeutische Team der gastgebenden Görlitzer Klinik und zeigte am Beispiel einer Patientin mit psychosomatisch verursachtem Schmerzsyndrom, wie unterschiedlich und trotzdem kohärent der Blickwinkel von ärztlicher, psychologischer, sozialpädagogischer und pflegerischer Seite auf die Arbeit mit musiktherapeutischen Mitteln sein kann. Aus der Sicht des Klinikleiters sei Musiktherapie eine "Brückentherapie", um "das noch nicht Gespürte klarer zu fassen"; sie sei, formulierte Dr. Rothe, "dann recht, wenn sie mit ihren Mitteln den Zustand des Patienten so verbessern kann, wie das mit anderen eben nicht geht." Die Sozialarbeiterin des Teams, selbst ausgebildete Musiktherapeutin der DMVS, ergänzte diese Ansicht mit ihrem Erleben, dass Musiktherapie als nonverbale Methode, etwas anzusprechen oder Schmerzen "hörbar" zu machen, nicht etwas bewirken MUSS, sondern von sich aus WIRKT.

 

Die sich anschließende Diskussion beschäftigte sich lebhaft, auch humorvoll, mit der Bedeutung von Musiktherapie- Kenntnissen bei ALLEN an der Therapie beteiligten Berufsgruppen, insbesondere auch beim Pflegepersonal, mit der Notwendigkeit der fachlich-kritischen Prozessbegleitung sowie mit Transparenz und Dokumentation für die ökonomische Sicherstellung. Passend zum Reformationstag klang der Abend mit einem geselligen – auch kulturell vielfältig "gewürzten" Abendessen aus.

 

Am Samstagvormittag zeichnete Ulrike Haase in einem zweiten Grundlagenvortrag dieser Tagung die unterschiedlichen Entwicklungslinien der Ulrike HaaseMusiktherapie in der Suche nach psychotherapeutischer Identifikation nach. Ausgehend von den "Kasseler Thesen" mit ihrem Versuch eines schulenübergreifenden Musiktherapieverständnisses zitierte Frau Haase die Vertreter verschiedener – vorwiegend im Westen Deutschlands beheimateter – musiktherapeutischer Schulen und deren Affinität zu den großen psychotherapeutischen Hauptströmungen. Sie beschrieb sehr anschaulich begriffliche Einordnungsversuche des Schwabe-Konzeptes in Sprache und Kriterien dieser Mainstreams, deren Wirkungsrichtungen es zwar in sich trüge, ohne sich jedoch auf eine bestimmte psychotherapeutische Schule speziell zu beziehen, da es im Kern bereits schulenübergreifend angelegt sei. So zeige das Schwabe-Konzept beispielsweise, dass tiefenpsychologisches Arbeiten mit den Faktoren Wahrnehmen und Beschreiben nicht zwangsläufig an Deutung und Interpretation gekoppelt ist, um Erkenntnisse aufseiten der Patienten zu mobilisieren. Im Bestreben, klientenzentriert den jeweils effektivsten Behandlungsweg zu finden, sei – so Haase – von den Therapievertretern Denklust, Konflikt- und Kompromissfähigkeit, vor allem aber die Rückstellung von Macht- und Rechthabeansprüchen gefragt.

 

Die dichtgedrängten Folgebeiträge des Tages beschrieben die unterschiedlichen Praxiserfahrungen mit Chancen, Grenzen, Möglichkeiten und Behinderungen der Tätigkeit von Musiktherapeuten, die dieses "Handwerk" meist nicht als Hauptberuf sondern im Kontext verschiedener Grundberufe ausüben und sich damit immer wieder im Spannungsfeld beruflicher, institutioneller und personalpolitischer Zugehörigkeiten positionieren müssen. Der Bogen des weitgefächerten Erlebens spannte sich dabei von selbstbewusster Eingliederung des Angebotes von Musiktherapie in die Umstrukturierungsphase einer Rehaklinik - inclusive Schnupperstunden für das Personal und Begleit-Evaluation - über Befindlichkeiten und pragmatischen Umgang mit der beruflichen Doppelrolle bis hin zu erheblichen Akzeptanzproblemen in einem als verschlossen erlebten Arbeitsumfeld. Dr. med. RöhrbornIn der Zusammenschau aller Beiträge ließ sich übereinstimmend feststellen, dass Musiktherapeuten häufig auf einem schmalen Feld zwischen mehreren therapiebeteiligten Bereichen agieren und deshalb an ihrem Arbeitsplatz Einbindung in ein verlässliches Setting, eine "Heimat" brauchen, um sich austauschen und mitteilen zu können. Neben einer soliden Ausbildung hängt die Arbeitszufriedenheit nach Meinung der meisten Tagungsteilnehmer vor allem davon ab, wie beherzt Musiktherapeuten Möglichkeiten zur Integration ergreifen und wie angemessen sie in ihren Erwartungen dabei zu Werke gingen. Führende Positionen – wie z.B. die eines Chefarztes – böten gewisse erleichternde Bedingungen bei der Therapieeinführung, seien gleichzeitig aber immer dem Augenmaß der Budgetabhängigkeit verpflichtet, wie der ehemalige Leiter der Psychosomatischen Klinik in Erlabrunn, Dr. med. Röhrborn, bemerkte.

 

Den Abschluss der Referate bildete der Vortrag, den Axel Reinhardt, Musiktherapeut am Uniklinikum Dresden sowie Lehrmusiktherapeut und Supervisor an der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen, ausgearbeitet hatte, infolge einer schweren Erkrankung jedoch nicht selbst halten konnte. Stellvertretend für ihn verlas Christoph Schwabe das Manuskript, das sich unter der Frage: "Was bewegt Musiktherapeuten?" zu Erfahrungen eines Supervisors mit Selbstwahrnehmung und –darstellung von Musiktherapeuten äußerte In einem klar strukturierten Überblick konstatierte Reinhardt mit Blick auf unterschiedliche Bildungs- und Berufsherkunft, ein ungesichertes Berufsfeld und oft belastende Arbeitsverhältnisse bei Hochschulabsolventen – trotz großer Dichte an Faktenwissen - eine häufig "praxisferne" Einschätzung der realen musiktherapeutischen Arbeitsbedingungen, was zu einer mangelhaften Vorbereitung auf den Berufsalltag führe.

 

Den berufsbegleitend Ausgebildeten bescheinigte Axel Reinhardt im Vergleich dazu eine bessere Vorbereitung auf das musiktherapeutische Arbeitsleben aufgrund ihres bereits bestehenden beruflichen Praxisbezuges. Probleme gebe es hier vor allem mit Rollenkonflikten durch mangelnde Transparenz und Identitätsunsicherheit. Desgleichen trage die ungeklärte Frage des Vergütungsanspruchs für diese Tätigkeit zur Verunsicherung bei.

 

Persönlichkeitsbedingte Gefahrenstellen, die die musiktherapeutische Tätigkeit behindern können, sah Reinhardt u.a. dort, wo Therapeuten persönliche Konflikte unbewusst in der Therapeut-Patientenbeziehung ausagieren, überfordernder Leistungsdruck auf Selbstwertproblematik trifft, unrealistische Erwartungen an die Akzeptanz der Umwelt bestehen oder unbewusste Ängste Abwehrreaktionen hervorrufen. Offen bleibe, so Reinhardt zum Abschluss seines Vortrages, wie die Ausbilder musiktherapeutischer Schulen darauf reagierten, auf jeden Fall solle, wer sich zu einer Ausbildung entschließt, auf diese Probleme vorbereitet sein.

 

PodiumsdiskussionIn der Podiumsdiskussion zum Abschluss des 7. Sächsischen Musiktherapietages wurde noch einmal auf verschiedene Sichtweisen dieser Therapie - z.B. als Fremdkörper, geschätzte Möglichkeit oder Konkurrent - Bezug genommen, ihre Alltagspotenz sowie persönliche Herausforderungen erörtert. Im Schlusswort warb Ulrike Haase für die Lust zur fachlichen Auseinandersetzung, dankte den Gastgebern für die hervorragende Organisation der Veranstaltung und gab den Teilnehmern als kleines Geleitwort mit auf den Weg: "Bleiben Sie mutig, um wirksam zu sein!"

 

Andreas Oschatz, Musiktherapeut an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Dresden

 

Weitere Bilder in der Bildergalerie.

 

Musik- und Kunstfestival mit wissenschaftlichem Forum 2008

 

Das war unser Musik- und Kunstfestival

 

Vom 27.6. bis 29.6.08 fand in Sondershausen in Thüringen das Musik- und Kunstfestival mit wissenschaftlichem Forum, veranstaltet von der Deutschen Musiktherapeutischen Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e.V. (DMVS e.V.) und der Konferenz für Heilpädagogik und Sozialtherapie (KHS), Medizinische Sektion am Goetheanum, Dornach (Schweiz) statt.

Anliegen des Festivals war es, dass „Menschen mit vielerlei Begabungen und mancherlei Behinderungen miteinander musizieren, spielen, tanzen, gestalten, reden, hören, diskutieren, singen…“ - so auch der Untertitel des Festivals. Um es vorwegzunehmen - das ist uns zu unserer großen Freude in hohem Maße gelungen, vieles übertraf sogar unsere Erwartungen.

 

Die Idee

 

Aber zunächst ist es uns wichtig, in einem Rückblick etwas darüber zu berichten, wie es dazu kam, dass dieses Festival stattfinden konnte. Die Idee hierzu hatten Herr Prof. Peter Petersen, emeritierter Professor am Forschungsinstitut für Künstlerische Therapien in Hannover, und Herr Dr. Christoph Schwabe, Lehrmusiktherapeut, Gründer und bis 2005 Leiter der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen. Sie stellten fest, dass einerseits viel zu oft auf Tagungen und Kongressen über Menschen mit einer Behinderung gesprochen wird und andererseits deren künstlerische Beiträge bei Veranstaltungen künstlerischer Therapeuten oft nur Rahmenprogramm sind. Außerdem waren Herr Petersen und Herr Schwabe aus eigenem Erleben begeistert von den Begabungen und Talenten so genannter behinderter Menschen in der bildenden Kunst, Theater, Tanz und Musik. Um diese Leistungen mehr in den Blickpunkt einer breiten öffentlichkeit zu rücken, erschien die Form eines Festivals als geeignete Möglichkeit.

Gleichzeitig sollte das Thema aber auch von der wissenschaftlichen Seite beleuchtet und die Verbindung zwischen dieser und der unmittelbar handlungspraktischen Ebene hergestellt werden. Die Frage, was Therapie für Menschen mit Behinderung ist und wie sie aussehen kann, wie sie sich von Pädagogik und Betreuung abgrenzt und was sie mit diesen gemeinsam hat, ist eine wichtige, auf der theoretischen Ebene noch zu wenig geklärte, geschweige denn gelöste, Frage. Überlegungen zu dieser Thematik sollte sich ein parallel stattfindendes wissenschaftliches Forum widmen.

Die Organisation führte dann zu einer sehr erfreulichen Kooperation zwischen der Deutschen Musiktherapeutischen Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe e.V. (DMVS e.V.) und der Konferenz für Heilpädagogik und Sozialtherapie (KHS) aus Dornach in der Schweiz, vertreten durch deren Leiter, Herrn Dr. Rüdiger Grimm.

 

Die Vorbereitung

 

Die Vorbereitungen für das Festival begannen im November 2006. Die Initiatoren Peter Petersen und Christoph Schwabe fanden engagierte Menschen, die ehrenamtlich mit der Organisation begannen. Erste Aufgaben waren zum einen inhaltlich-übergreifende Überlegungen, das Anliegen des Festivals und die Möglichkeiten seiner Umsetzung zu konkretisieren, zum anderen musste geklärt werden, welches Publikum angesprochen werden soll. Letzteres diskutierten wir ausführlich. Einerseits ging es darum, eine breite Öffentlichkeit für dieses Thema zu interessieren. Andererseits erschien es sehr wahrscheinlich, dass unser Projekt bei Menschen, die zum Thema Behinderung einen Bezug haben - ob nun beruflich oder privat - auf großes Interesse stoßen würde. Wir versuchten, eine Lösung zu finden, durch entsprechende Werbung beide Gruppen anzusprechen.

Daneben versuchten wir, Kollegen unterschiedlicher Profession und therapeutischer Ansätze zu gewinnen, die sich mit der wissenschaftlichen Seite künstlerisch-therapeutischer Möglichkeiten in der „Behindertenarbeit“ auseinandersetzen.

Außerdem beschäftigten wir uns mit Finanzierungsmöglichkeiten und schickten das Konzept unseres Projektes an viele Stiftungen, Vereine und weitere mögliche Sponsoren.

Gleichzeitig begaben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Veranstaltungsort. Diesen Ort fanden wir auf geradezu ideale Weise in der Landesmusikakademie Thüringen mit Sitz im Schloss Sondershausen. Ein wichtiger Punkt für diese Wahl war die Öffentlichkeit der Einrichtung. Wir wollten keine abgeschlossene Einrichtung für behinderte Menschen als Festivalort, sondern einen öffentlichen Ort, um Öffentlichkeit zu interessieren und um die künstlerischen Leistungen mit einer angemessenen Bühne zu würdigen. Bei der Besichtigung der Landesmusikakademie erlebten wir außerdem ein großes Entgegenkommen und eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern und der Leitung der Landesmusikakademie.

Wichtig wurde danach für uns die Erstellung eines „Call for papers - call for Artists“, um mögliche mitwirkende Künstler und Referenten anzusprechen. Wir waren überrascht von der großen Resonanz. Nach der Sichtung der eingegangenen Bewerbungen für künstlerische Beiträge, Vorträge, Ausstellungen und Workshops trafen wir eine Vorauswahl und begannen mit der organisatorischen und inhaltlich-konkreten Planung des Festivals. So entstand das Programm für ein dreitägiges Festival, einschließlich eines wissenschaftlichen Forums, wie im Programmheft ersichtlich. Es gelang uns, eine breite Vielfalt an künstlerischen Darbietungen, Plenumsvorträgen und geselligem Miteinander auf gute Weise zu verbinden. Besondere Programmpunkte waren auch die Ausstellungseröffnungen am Samstagvormittag, das wissenschaftliche Forum am Samstagnachmittag und die parallel dazu angebotenen Workshops sowie der „FeierAbend“ am Samstag, der spontanen künstlerischen Beiträgen der Gäste und Mitwirkenden Raum gab.

Die graphische Gestaltung und der Druck des Programmheftes waren die nächsten Aufgaben. Nach der Fertigstellung wurden ca. 3000 Programmhefte/Einladungen an die verschiedensten Institutionen, Verbände und Einrichtungen in Deutschland und der Schweiz verschickt. Weiterer Bestandteil der Werbung waren Informationen, die wir an Fach- und Lokalpresse sowie an den Rundfunk gaben. Großes Interesse zeigte der Sender mdr-figaro, der während des Festivals eine Reportage produzierte und diese auch in der Woche nach dem Festival sendete. Auch das Internet als Informations- und Anmeldemöglichkeit nutzten wir.

Während der Vorbereitungen standen wir natürlich in regelmäßigem Kontakt zu den Mitwirkenden, um Details wie Honorar, Übernachtungsmöglichkeiten und benötigte Technik zu klären.

Organisatorische Aufgaben, wie Catering-Service, Bereitstellung der Technik, Planung der Raumaufteilung, besondere Wünsche von Mitwirkenden und Gästen und ähnliche „Kleinigkeiten“ beschäftigten uns vor allem in den Wochen vor dem Festival.

Letzte Vorbereitungen fanden dann vor Ort in Sondershausen statt, so dass wir tatsächlich zu Beginn des Festivals das Gefühl hatten, jetzt ist alles bereit.

 

Das Festival

 

Alle im Programmheft angekündigten Künstler, Künstlergruppen, Referenten und Workshopveranstalter reisten zum Festival an, so dass der Ablauf des Festivals wie geplant stattfinden konnte.

Das heißt in konkreten Zahlen:

Über diese Zahlen hinaus, die Aussagen über die Quantität treffen, muss natürlich die Qualität der Beiträge betrachtet werden. Es gab viele bewegende Momente für Künstler und Zuschauer und auch für uns als Initiatoren und Organisatoren, die durch die hohe Intensität der künstlerischen Darbietungen entstanden. Hier sangen, musizierten und spielten Menschen mit Freude und gleichzeitig einem hohen künstlerischen Anspruch an das, was sie darboten. Begeisterung und Professionalität waren bei allen Darbietungen zu spüren. Auffallend waren auch das große Interesse und die Wertschätzung der Teilnehmer für die Beiträge der anderen Künstler. Große Aufmerksamkeit, Nachfragen, viele Begegnungen zwischen den Darbietungen und oftmals sehr langer Beifall waren Zeichen dafür. Großen Anklang fanden auch die bereitgestellten Angebote der Ruheräume, der Räume zur Begegnung und zum Spielen sowie die Möglichkeit bei schönem Wetter im Freien verweilen zu können.

Wie auch im Gästebuch zu lesen ist, waren die Reaktionen und Kommentare seitens der Künstler, Referenten und Gäste sehr positiv.

Ein bedenkenswerter Punkt war für die Organisatoren des Festivals (aber auch für viele Gäste) die geringe Resonanz der Öffentlichkeit auf das Festival. Mit einer Zahl von ca. 70 Gästen (im Vergleich zu etwa 200 Mitwirkenden) blieben wir weit unter den Erwartungen an das Interesse, das wir uns von Musiktherapeuten, Heilpädagogen, Mitarbeitern im Bereich der „Behindertenarbeit“ und einer interessierten Öffentlichkeit erwartet hatten. Wir fragten uns kritisch nach Schwachstellen in der eigenen Vorbereitung (ungünstiger oder zu später Zeitpunkt der Versendung der Programmhefte), mussten aber auch erkennen, dass immer noch zu wenig Interesse für das Leben, die Fähigkeiten und künstlerischen Potenziale von Menschen mit Behinderungen besteht.

Wir stellten aber auch fest, dass das kein Grund zur Entmutigung ist, eher ein Ansporn für künftige Aktivitäten, die auch von vielen Teilnehmern angesprochen und gewünscht wurden.

 

Die Nachbereitung

 

Eine Nachbereitung des Festivals fand auf mehreren Ebenen statt.

Zum einen setzte sich das Organisationsteam nach Abschluss des Festivals zusammen, um eigene Eindrücke und die der Mitwirkenden und Gästen berichteten auszutauschen. Fragen des Ablaufs und der Organisation wurden besprochen, diskutiert und protokolliert.

Eine Auswertung des Festivals mit den Vorständen der beiden veranstaltenden Vereine fand ebenfalls statt. Hier standen neben organisatorischen Fragen vor allem auch inhaltlich-konzeptionelle Aspekte der Auswertung im Vordergrund. Dabei wurde insbesondere die oben angesprochene Bedeutung des wissenschaftlichen Herangehens an die Thematik betont, die es neben allen künstlerischen, geselligen und erlebnisorientierten Angeboten auszubauen gilt.

Außerdem waren umfangreiche abrechnungstechnische Aufgaben zu erledigen.

Eine mediale Aufbereitung des Festivals war ein weiterer wichtiger Punkt der Nachbereitung. Wir entschlossen uns zu einer Dokumentation in Form einer Multimedia-CD, deren Bestandteile Berichte über das Festival, über 300 ausgewählte Fotos, das Programm des Festivals, das Gästebuch, die Referate im Plenum und im wissenschaftlichen Forum, Informationen über die Mitwirkenden und der Rundfunkbeitrag von mdr-figaro sind.

Auch in der Nachbereitung nutzten wir das Internet. Auf den Seiten der Veranstalter sind Fotos und Berichte zu finden.

Wie bereits erwähnt, sendete der Rundfunksender mdr-figaro am 30.6.2008 einen Bericht über das Festival. Einen Impuls für weitere Beiträge gab das Musik- und Kunstfestival ebenfalls - eine mehrteilige Serie über Musiktherapie ist bei mdr-figaro eingeplant.

Berichte über das Festival in musiktherapeutischen, heilpädagogischen und anthroposophischen Fachzeitschriften sind angefragt bzw. bereits realisiert. Die eingeladene Lokalpresse berichtete ebenfalls über die Veranstaltung.

 

Fazit

 

Die Veranstaltung hatte zum Ziel, ein Podium zu bieten, Potenziale und Begabungen von Menschen mit Behinderung im künstlerischen Bereich aufzuzeigen. Die dabei gewählte Form des Festivals, kombiniert mit einem wissenschaftlichen Forum, war in dieser Art neu. Es wurde nicht über Menschen mit Behinderung, sondern mit ihnen gesprochen. Nicht wir „normalen“ Menschen haben ihnen etwas gezeigt, beigebracht, erklärt, sondern es war ein Miteinander, eine Hochachtung für künstlerische Leistungen von Menschen, unabhängig von dem Aspekt einer vorhandenen oder nicht vorhandenen Behinderung. Gemeinsames Erleben von Kunst und der heiteren, ermutigenden Atmosphäre des Festivals schaffte Verbundenheit und lebendige Integration.

Zum Abschluss ein Zitat aus dem Gästebuch, das für uns gleichzeitig Wunsch aber auch Ermutigung zu weiteren Aktivitäten ist: „Es wäre erfreulich, wenn integriertes Miteinander, verbunden mit soviel Schwung zur Selbstverständlichkeit würde.“

 

Musik- und Kunstfestival 2008 Bild 1
Larissa Gebhardt - Vortrag und Gitarrenspiel
viel Aufregung, ganz viel Beifall
Musik- und Kunstfestival 2008 Bild 2
Endlich Sonne im Land Malon…
(Theaterstück - Haus am Karswald)

 

Musik- und Kunstfestival 2008 Bild 3
Der Dirigent der Lautenbacher Blaskapelle
Musik- und Kunstfestival 2008 Bild 4
Welch ein Klang beim gemeinsamen Singen
(Freitag, gemeinsames Singen mit Kerstin Rilke)

 

Mehr Bilder dazu gibt es in der Bildergalerie.